Wie können wir Ihnen helfen?

    Weniger Komplikationen bei der Wieder­herstellung verletzter Nerven­bahnen der Hand

    Die zusätzliche Verwendung eines Chitosan-Nerven­röhrchens verbessert das Outcome nach mikro­chirugischer Primär­naht traumatischer sensibler Nerven­läsionen der Hand

    14.07.2020

    F. Neubrech, M. Sauerbier, W. Moll, J. Seegmüller et al.

     

    Bild vergrößern

    Was bisher bekannt ist

    Unzählige Nerven­verbindungen ermöglichen es dem Menschen, mit seiner Hand nicht nur kräftig zuzupacken, sondern auch filigrane Arbeiten zu tätigen. Sind diese Nerven durch einen Unfall gequetscht oder zertrennt, kann die Funktionalität langfristig eingeschränkt werden. Dank mikro­chirurgischer Verfahren ist es heute möglich, zerstörte Nerven­bahnen wieder zusammen­zunähen. Dabei kann es jedoch zu Komplikationen wie Narben­bildungen oder schmerz­haften Neuromen kommen, also eine Zusammen­ballung von Nerven­enden, die beim Heilungs­prozess aus­sprießen.

    Eine Studie untersuchte den Einsatz von Chitosan-Nerven­röhrchen, um diese Komplikationen zu verringern. Dabei handelt es sich um maximal vier Zentimeter lange Röhrchen, die um die Naht­stelle gelegt werden. Sie fungieren als Leit­planken und verhindern so das unkontrollierte Wachstum von Nerven­enden. Das Material, ein künstliches Chitin­polymer, ist bioaktiv und weist regenerative Eigenschaften auf.

    Studiendesign und Resultate

    Die randomisierte Studie wurde an zwei BG Klinken durchgeführt. Von 100 möglichen Patientinnen und Patienten wurden jeweils 37 Personen per Zufall einer der beiden Gruppen zugeordnet. In der einen Gruppe wurden die verletzten Nervenbahnen neben der Primärnaht mit einem Chitosan-Nerven­röhrchen von einem Zentimeter Länge und 2,1 Millimetern Innendurchmesser versorgt. Die Kontroll­gruppe wurde nur mit der Primär­naht versorgt.

    Die Wirksamkeit wurde anhand zweier Tests verglichen. Primär wurde eine Zwei-Punkte-Diskriminierung eingesetzt. Hierzu werden an der Finger­beere zwei statische Punkte stimuliert. Je nachdem, mit welchem Abstand diese beiden Punkte auch als zwei Punkte, und nicht nur als ein Druckpunkt, wahr­genommen werden, ergibt sich eine Distanz, die gemessen werden kann. Je geringer diese Distanz ist, umso höher die Tastschärfe. Zusätzlich wurde der DASH-Score (Disability of Arm, Shoulder and Hand) angewandt. Beide Tests wurden jeweils nach sechs und zwölf Monaten durchgeführt.

    Ergebnis

    Während sich in der Kontrolle die DASH-Werte der beiden Gruppen nicht sonderlich unterschieden, konnte bei der Zwei-Punkte-Diskriminierung ein eindeutiger Vorteil der Behandlung mit einem Chitosan-Röhrchen festgestellt werden. Hinzu kam, dass in der Chitosan-Röhrchen-Gruppe keine Neuroma auftraten – in der Kontroll­gruppe waren es drei.

    Bedeutung für die klinische Versorgung und Forschung an den BG Kliniken

    Die Heilung sensibler Nerven der Hand wird durch die zusätzliche Ummantelung der Nahtstelle mit einem Nerven­röhrchen aus Chitosan nach­weislich verbessert. Aufgrund der beobachteten Effektstärken sollte überlegt werden, die Methode als Standard in den BG Kliniken zu etablieren und gesund­heits­ökonomisch relevante Auswirkungen zu messen.

    Weitere Forschungsartikel