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Hippotherapie in der neurologischen Rehabilitation

Murnau, 07. März 2018. Ziele und Methoden der neurologischen Rehabilitation haben sich in den letzten 20 Jahren verändert. Therapien, die den Menschen in seiner Gesamtheit erfassen und fördern, gewinnen an Bedeutung. So auch die Hippotherapie. „In der Neurorehabilitation unserer Klinik ist die Hippotherapie eine wertvolle Ergänzung zur neurologischen Rehabilitation“, erklärt Dr. Katharina Wolf, Oberärztin der Abteilung für Neurorehabilitation der BG Unfallklinik Murnau.

In der Murnauer Unfallklinik kam die Hippotherapie zunächst für die querschnittgelähmten Patienten des Zentrums für Rückenmarkverletzte zum Einsatz und ist dort bereits seit vielen Jahren fester Bestandteil des Therapieangebotes. „Bereits vor 18 Jahren konnte die Therapieform in unserer Klinik implementiert werden. Bis heute wenden wir die Hippotherapie bei geeigneten Patienten an und erzielen bei entsprechender Indikation sehr gute Erfolge“, erläutert Dr. Doris Maier, Leiterin des Zentrums für Rückenmarkverletzte. 

Bei neurologischen Bewegungsstörungen wie Lähmung und oder Spastik sind mehrere Aspekte der Bewegung beeinträchtigt: angemessene Reaktionsmöglichkeiten, die Wahrnehmung des eigenen Körpers, seiner Position im Raum oder der Umgebung. Gelernte und gespeicherte Bewegungsmuster und -abläufe, wie sie etwa für das Gehen nötig sind, sind aufgrund der Erkrankung nicht mehr abrufbar. Patienten mit neurologischen Störungen erlernen und trainieren dank der Hippotherapie Haltung und Bewegung neu und festigen sie zeitgleich. Hippotherapie ist eine Form der Physiotherapie, die mit und auf dem Pferd angewendet wird. Dabei unterstützen ein Hippotherapeut und ein Therapiepferd den Patienten während seiner Therapie. Das Bewegungsmuster des Pferdes bei der Gangart „Schritt“ kommt dem Rhythmus und Tempo des aufrechten Ganges des Menschen gleich. „Die Hippotherapie fördert das gezielte Bewegungslernen, also die Schulung motorischer Fähigkeiten. Zudem bietet sie fördernde Effekte bei sensorischen und kognitiven Defiziten, wirkt psychisch stabilisierend und motivationsfördernd“, führt Dr. Wolf aus. Das Pferd passt Gang, Rhythmus und Haltung dem Patienten und seinen Defiziten an. Der Hippotherapeut greift dabei gezielt in das Geschehen und unterstützt so zum einen den Patienten und lenkt zum anderen das Therapiepferd individuell und gerichtet. So kann der Patient Rumpfstabilität und -bewegung üben, ohne dass seine Beine ihn tragen müssen. Betroffene finden in natürliche Bewegungsmuster zurück und können spielerisch ihre Muskulatur trainieren. Die Freude an der Therapieform trägt durch gesteigerte Motivation entscheidend zum Therapieerfolg der neurologischen Rehabilitation bei. 

In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Haupt- und Landgestüt Schwaiganger und mehreren selbständigen Hippotherapeutinnen bietet die BG Unfallklinik Murnau seit vielen Jahren neben allen klassischen Therapieverfahren in der neurologischen Früh- und der speziellen Querschnittrehabilitation auch die Hippotherapie erfolgreich an. Darüber hinaus wurde jetzt in der BG Unfallklinik Murnau eine Studie initiiert, die die Wirksamkeit der Hippotherapie bei Patienten nach Schädel-Hirn-Trauma belegen soll. Die Studie vergleicht Hippotherapie mit konventioneller Physiotherapie bei der Behandlung von Gleichgewichtsstörungen und Störungen der Rumpfkontrolle. Mit ersten Ergebnissen ist 2018 zu rechnen.

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