Wie können wir Ihnen helfen?

    Expertenaustausch zur Rehabilitation der Zukunft

    Dr. med. Christoph Reimertz, Wissenschaftlicher Leiter des Reha Symposiums 2021, im Interview.

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    Dr. med.Christoph Reimertz

    Wissenschaftlicher Leiter

    Das Reha Symposium der BG Kliniken hat sich schnell zur wichtigsten Veranstaltung der Kliniken der gesetzlichen Unfallversicherung entwickelt. Ganz bewusst ist die zweitägige Fachtagung mit ihren Sitzungen und Workshops multiprofessionell und interdisziplinär angelegt. Denn hier treffen sowohl Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte ebenso zusammen, wie Vertreter der Unfallversicherungsträger, des Klinikkonzerns und erstmals auch des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Am 23. und 24. September 2021 ist das Kongresshaus Kap Europa in Frankfurt am Main Veranstaltungsort des Reha Symposiums. Erarbeitet wurde das spannende und innovative Programm maßgeblich von Dr. Christoph Reimertz, dem Chefarzt des BG Service- und Rehabilitationszentrums an der BG Unfallklinik Frankfurt und seinem Team.

    Dr. Reimertz, was erwartet die Teilnehmer beim Reha Symposium 2021?

    Das Einzigartige der Veranstaltung sind die hohe Interdisziplinarität vor Ort und der kollegiale Austausch, der auch in der Planung der Sitzungen und Workshops eine große Rolle spielt. Alle Beteiligten am sektorenübergreifenden Rehabilitationsprozess sind beteiligt. Zudem feiern wir 100 Jahre D-Arzt-Wesen in Deutschland und auch die zukünftige Kooperation mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr wird vertreten sein.

     

    Unter anderem stehen Themen wie Technische Orthopädie und künstliche Intelligenz auf der Agenda. Was ist in diesen Bereichen mittlerweile möglich?

    Die Technische Orthopädie mit ihren vielfältigen Möglichkeiten, wie beispielsweise der mikroprozessorgesteuerten Orthetik und Prothetik, stellt uns vor große Herausforderungen. Es ist großartig zu sehen, was mittlerweile auch mit Robotik und künstlicher Intelligenz erreicht werden kann. So gelingt es uns beispielsweise, Patienten nach schweren Beckenverletzungen trotz Verletzung des Beinplexus mit einer mikroprozessorgesteuerten Beinorthese ein weitgehend normales Berufs- und Sozialleben zu ermöglichen. Wir bewegen uns dabei im Spannungsfeld des SGB VII mit dem Auftrag, unseren Patienten mit allen geeigneten Mitteln zu helfen. Gleichzeitig sind diese Systeme sehr kostenintensiv. Die Einbindung von Orthopädietechnikern sowie die Entwicklung geeigneter Testinstrumente für die Patienten stellen uns jetzt schon vor eine große Herausforderung. Auch unter dem Aspekt der Einbindung künstlicher Intelligenz in unsere Reha-Verfahren ist es nach meiner Einschätzung das wegweisende Zukunftsthema in der Rehabilitation.

     

    Wie ist Ihre Zukunftsprognose bezüglich der Telemedizin und Telerehabilitation?

    Auch wenn ich den Wunsch nach einem großen Wurf in der Entwicklung telemedizinischer und rehabilitativer Verfahren habe, werden es doch sicher die kleinen Entwicklungsschritte an vielen Ecken sein, die uns irgendwann in einem Wettlauf von Best-Practice-Angeboten zueinander weiterbringen werden. In Zeiten knapper werdender Ressourcen ist das Thema an sich aktueller denn je. Wir leben privat vor allem mit der Nutzung unserer Smartphones schon längst in einem digital geprägten Alltag und es wird Zeit, diese Möglichkeiten auch für unsere Therapieerfolge zu nutzen. Ich hoffe, dass wir für die Umsetzung den Schwung aus der derzeitigen Pandemielage mitnehmen können.

     

    Gehen hier nicht Expertise und Qualität verloren?

    Es geht um die Entwicklung digitaler Angebote in vielen Bereichen der Rehabilitation. Derzeit ist beispielsweise die Fortführung einer stationär begonnenen ergotherapeutischen Therapie nach Handverletzungen mit intelligenten Lösungen via Smartphone oder Tablet möglich. Den Patienten werden die während des stationären Aufenthalts erlernten Übungen angezeigt. Die korrekte Durchführung wird über eine Kamera kontrolliert und quittiert. In regelmäßigen Abständen schaltet sich dann der Therapeut der Klinik über Videotelefonie zu und bespricht Feedback und das weitere Vorgehen. Darin sehe ich eine sinnvolle Ergänzung der Behandlung, auch unter Qualitätsaspekten. Ähnliche Konzepte sind in ganz vielen Bereichen möglich.

     

    Die Akademisierung in der Therapie schreitet mit großen Schritten voran. Was bedeutet das für die Zukunft?

    Eine Akademisierung existiert ja bereits bei den Sporttherapeuten in großer Zahl. Die strukturierte zielorientierte Behandlung und Rehabilitation nach einem Phasenmodell und die klare Ausrichtung nach hemmenden und fördernden Faktoren hat die Therapie in den letzten Jahren bereits verändert. Der Einzug digitaler und elektronischer Hilfsmittel macht einen immer höheren Grad der Expertise notwendig. Damit einher geht natürlich der Wunsch, insbesondere auch der Generationen Y und Z, nach Selbstständigkeit und Förderung der eigenen Ressourcen und Entscheidungskompetenzen im Beruf. Die große Kunst wird sein, entsprechende Berufsbilder für die Zukunft zu entwickeln und Karrieremöglichkeiten anzubieten.

     

    Ziel der Behandlung unfallversicherter Patienten ist es, die Betroffenen schnellstmöglich körperlich und geistig wiederherzustellen, damit sie wieder am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilhaben können. Wie hat sich diese besondere Patientenversorgung in den letzten Jahren entwickelt?

    In den BG Kliniken haben wir das Glück, unsere Patienten in einer lückenlosen, interdisziplinären und sektorenübergreifenden Rehabilitationskette, unter Einbeziehung des Reha-Managements der Unfallversicherungsträger, behandeln zu können. Die integrierte Rehabilitation verfolgt dabei einen ganzheitlichen Therapieansatz, bei dem der Patienten im Mittelpunkt steht. Unter dem Begriff „Reha 360°“ sind hier in der BGU Frankfurt alle therapeutischen Maßnahmen individuell und multidisziplinär auf jeden einzelnen Patienten abgestimmt. Rehaziele werden in allen Phasen der Rehabilitation in interdisziplinären Therapeutenteams aus Physio-, Ergo-, Sporttherapie und Massage gemeinsam entwickelt und mit allen beteiligten Fachbereichen, wie z. B. Ärztlicher Dienst, Pflege, Sozialdienst multidisziplinär abgestimmt.