Morbus Dupuytren: Wenn die Finger krumm werden

Den Schlüssel aus der Tasche holen, anderen Menschen die Hand geben – mit steifen, krummen Fingern ist das schwierig. Beim Morbus Dupuytren (Dupuytren-Kontraktur) können Betroffene ihre Finger krankheitsbedingt nicht mehr strecken. Gutartige Wucherungen der Sehnenplatte der Handinnenfläche blockieren die Finger, es bilden sich Knoten und Stränge, welche die Finger in Beugung ziehen. Am BG Klinikum Hamburg behandelt ein interdisziplinäres, spezialisiertes Hand-Team diese Erkrankung und verhilft so den Patientinnen und Patienten wieder zu beweglichen Fingern. Wie, das schildern Prof. Dr. Susanne Rein, Chefärztin der Abteilung für Hand-, Plastische- und Mikrochirurgie, und Alexander Kögel, Bereichsleiter der Handtherapie zum Tag der Hand am 1. März.

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27.02.2026

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Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland 1,3 bis 1,9 Millionen Menschen an der Dupuytren’schen Erkrankung leiden. Bei Männern tritt die Erkrankung drei- bis viermal häufiger auf als bei Frauen und die Inzidenz steigt mit zunehmendem Alter. Betroffen sind besonders häufig der Klein- und Ringfinger. „Die gute Nachricht: die Krankheit ist mit verschiedenen Therapieansätzen gut behandelbar,“ berichtet Prof. Dr. Rein. Die Diagnose erfolgt durch eine Ärztin oder einen Arzt, aber Betroffene bemerken erste Symptome oft selbst. „Erste Anzeichen sind nicht verschiebliche, tastbare Knoten- und Strangbildungen in der Handinnenfläche, welche im zeitlichen Verlauf zunehmen, sodass ein oder mehrere Finger nicht mehr vollständig gestreckt werden können. Medizinerinnen und Mediziner sprechen dann von einer progredienten Beugekontraktur,“ so die Chefärztin.

In den Anfangsstadien des Morbus Dupuytren sind eine Bestrahlung und individuell angepasste Schienen sowie spezielle handtherapeutische Verfahren eine Behandlungsoption. „In der ersten Phase ist wichtig, Patientinnen und Patienten über ein umfassende Aufklärung Ängste zu nehmen und sie gezielt zu befähigen, die Finger beweglich und die Haut verschiebbar zu halten,“ so Alexander Kögel. Entsprechend empfiehlt der Experte Betroffenen, sich nach der Diagnose direkt an eine spezialisierte Handtherapeutin oder einen spezialisierten Handtherapeuten in einer Schwerpunktpraxis oder an eine zertifizierte Fachabteilung – wie das Handzentrum am BG Klinikum Hamburg – zu wenden. „Diese Behandlungen können unterstützend wirken. Grundsätzlich ist es allerdings so, dass die Erkrankung in Schüben verläuft, die sich nicht voraussagen lassen. Damit Betroffenen schnell und individuell geholfen werden kann, ist eine gute ärztliche und therapeutische Anbindung wichtig,“ ergänzt Herr Kögel. Denn wenn die Krankheit weiter fortschreitet, was dann die Feinmotorik der Hand stark einschränkt, ist eine operative Behandlung angezeigt. Neben der therapeutischen Beübung ist es deswegen sinnvoll, wenn Betroffene sich in handchirurgischen Sprechstunden vorstellen. 

Dank Operation die Finger wieder strecken können

Operativ gibt es verschiedene Therapieformen: Eine Möglichkeit sind Fasziotomien, bei denen der verhärtete Strang entweder durchtrennt oder durch Kollagenase Injektionen lokal aufgelöst wird, wobei das Stranggewebe jedoch in der Hand verbleibt. Die andere Möglichkeit sind Fasziektomien, bei denen das Stranggewebe operativ entfernt wird. „Die Fasziektomie ist der Goldstandard in der Behandlung des Morbus Dupuytren, da das verhärtete und knotige Stranggewebe operativ entfernt wird. Dadurch lassen sich die Finger wieder mehr und leichter strecken, die Handfunktion wird somit verbessert“, so Prof. Dr. Rein. Wichtig zu wissen ist, dass der Morbus Dupuytren zwar behandelbar, aber nicht heilbar ist. Auch nach einer erfolgreichen Operation können erneut Verhärtungen der Sehnenplatte auftreten. Dann ist zu prüfen, ob eine erneute Operation möglich ist. „Die Fasziektomie ist eine sehr anspruchsvolle Operation, da der verhärtete Strang zwischen feinen Blutgefäßen und Nerven der Finger hindurch läuft. Diese müssen freigelegt werden, um Verletzungen während der Operation zu vermeiden. Das erfordert eine hohe mikrochirurgische Expertise,“ so Prof. Dr. Rein.

Um die wiederhergestellte Fingerstreckung nach der Operation langfristig zu erhalten, ist es wichtig, zeitnah mit therapeutischen Maßnahmen zu beginnen. „Im BG Klinikum Hamburg beginnen wir deswegen ab dem ersten Tag nach dem Eingriff mit der Therapie,“ sagt Alexander Kögel. Die enge und abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Ärztinnen und Ärzten, Handtherapeutinnen und -therapeuten sowie dem Pflegepersonal des Handzentrums bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung der Patientinnen und Patienten. In den ersten Tagen nach der Operation stehen neben Übungen, insbesondere zum Erhalt der Gleitfähigkeit der Beugesehnen der Finger, abschwellende Maßnahmen (beispielsweise Lymphdrainage) sowie die Hautpflege im Fokus, um eine optimale Wundheilung und Narbenbildung zu ermöglichen. In den übungsfreien Zeiten wird eine individuell angefertigte Schiene getragen, die den Finger in der Streckung hält. Im Anschluss ist eine intensive Rehabilitation über mehrere Monate erforderlich. „Der Fokus liegt dabei insbesondere darauf, die Kraft und Kraft-Ausdauer der Handmuskulatur wiederaufzubauen, Beweglichkeiten zu automatisieren und Missempfindungen zu reduzieren. Außerdem sollte die Schiene nachts für weitere drei bis sechs Monate getragen werden,“ sagt Herr Kögel. „Damit die Betroffenen die notwendige Geduld mitbringen, um gemeinsam die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, ist es wichtig, dass sie im Vorfeld über den zeitlichen Verlauf der Nachbehandlung umfassend aufgeklärt werden,“ ergänzt Prof. Dr. Rein. Ziel der langen Therapie ist es, die Handfunktion langfristig zu verbessern und Einschränkungen von manuellen Alltagstätigkeiten auf ein Minimum zu reduzieren.