Integration internationaler Pflegekräfte

Wie gelingt die Integration von Fachkräften aus dem Ausland? Ein Pilotprojekt des BGKH in Zusammenarbeit mit der BGW gibt erste Antworten und unterstützt Betriebe dabei, wirksame Integrationskonzepte zu erarbeiten.

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14.01.2022 BG Klinikum Hamburg

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Christiane Keppeler

Leiterin Unternehmens­kommunikation und Marketing
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Der Fachkräftemangel bewegt viele Kliniken und Pflegeeinrichtungen deutschlandweit. Auch im BG Klinikum Hamburg werden seit einiger Zeit Maßnahmen ergriffen, um den Personalbedarf decken und die gleichbleibend hohe Versorgungsqualität der Patientinnen und Patienten gewährleisten zu können. Dabei wird für das Recruiting von Pflegefachkräften auch in andere Länder ausgewichen. Der Plan, 20 Pflegekräfte von den Philippinen einzustellen, scheiterte leider aufgrund der Corona-Pandemie. Mittlerweile verstärken jedoch 5 Pflegekräfte aus Kolumbien das Team der Pflege am BGKH. Weitere sollen folgen.

Unterstützung durch die BGW

Doch mit der Akquise internationaler Fachkräfte allein ist es nicht getan, weiß Pflegedirektor Torsten Weiner: „Ein ganz wichtiger Punkt ist die Integration. Ohne ein gut durchdachtes Konzept, wie man die internationalen Pflegekräfte integrieren und ihnen einen guten Start in ihr neues Leben ermöglichen kann, kann es nicht funktionieren.“ Unterstützung erhielt das BG Klinikum dabei durch das von der BGW (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege) entwickelte Training „Das interkulturelle Team – Pflege“. Das Training besteht aus drei je eintägigen Modulen und wurde im BG Klinikum pilotiert. Das Ziel ist, einen kultursensiblen Umgang unter den Mitarbeitenden – Stammpersonal wie auch internationale Fachkräfte – zu erreichen und auf diese Weise Konfliktpotenziale und Stresserleben zu reduzieren.

Bericht aus der Praxis

Von der Umsetzung in die Praxis und den Hürden, die es dabei zu nehmen gilt, berichten jetzt Pflegedienstleiterin Annika Kuppe und Pflegefachkraft Christine von Roell aus dem BG Klinikum Hamburg im BGW Podcast „Herzschlag – für ein gesundes Berufsleben“. „Bevor die Fachkräfte überhaupt zu uns kommen können, muss ein umfangreicher bürokratischer Prozess durchlaufen werden“, berichtet Annika Kuppe. „Das stellt uns schon vor eine enorme Herausforderung. Sind die Pflegekräfte dann hier, gelten sie zunächst als Pflegehelfer und müssen noch eine Anerkennung mit Abschlussprüfung durchlaufen, bei der die Durchfallquote sehr hoch ist. Das setzt sie also schon enorm unter Druck.“ Christine von Roell erlebt die neuen Kolleginnen und Kollegen im Alltag auf ihrer Station: „Die neuen Kollegen setzen sich so unter Druck, alles von Anfang an verstehen und richtig machen zu wollen. Das kann natürlich so nicht gelingen. Da ist es wichtig, sie anzuleiten und gleichzeitig darauf zu achten, dass sich bei den anderen Kollegen durch Missverständnisse kein Frust bildet.“ Weil verschiedene Arbeitsweisen, Sprachkenntnisse und Kulturen mitunter zu Irritationen im Team führen können, ist für Annika Kuppe daher auch die Kommunikation im Vorfeld besonders wichtig: „Man muss schon vorab mit den Teams auf den Stationen sprechen und Gelegenheit geben, Fragen zu stellen, damit Vorurteile sich gar nicht erst aufbauen können.“

Erfahrungen einer internationalen Pflegekraft

Dass die Integration gelingen kann, zeigt das Beispiel von Diego Bohorquez Gomez. Er stammt aus Kolumbien und arbeitet seit Januar 2021 in Boberg. Auch für ihn waren die Eingewöhnung in das neue Arbeitsumfeld, die fremde Kultur und das Lernen der Sprache zunächst eine Herausforderung. Um sich einzugewöhnen und das Arbeiten auf Station kennenzulernen, wurde ihm zu Beginn immer eine erfahrene Pflegekraft zur Seite gestellt. Heute ist er stolz auf das, was er schon erreicht hat und fühlt sich in seinem Team sehr wohl: „Am Anfang war es natürlich ein bisschen schwer, weil die deutsche Kultur und auch die Arbeit in der Pflege sich zu Kolumbien sehr unterscheiden. Aber ich muss sagen, dass ich hier viel Unterstützung erfahren habe von meinen Kolleginnen und Kollegen und jetzt sehr zufrieden bin.“ Diegos vollständiger Erfahrungsbericht über seine bisherige Zeit in Boberg ist auf dem YouTube-Kanal des BG Klinikums Hamburg zu finden.

Das BG Klinikum wird auch weiterhin daran arbeiten ihr Integrationskonzept auszubauen, um so möglichst vielen internationalen Pflegekräften einen reibungslosen Start in Boberg zu ermöglichen.