
Dem Rückenschmerz zuvor kommen: Kleine Gewohnheiten, große Wirkung
Hexenschuss, Verspannungen oder Bandscheibenvorfall: Wenn Bewegungen schmerzen oder gar unmöglich sind, ist die Lebensqualität eingeschränkt. Damit es gar nicht so weit kommt, ist Prävention das A und O, weiß Doerthen Prieg-Hoersch, Therapeutische Leitung Prävention am BG Klinikum Hamburg. Mit einfachen Dingen kann jede und jeder dem Rücken im Alltag etwas Gutes tun.
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13.03.2026Pressekontakt

Christiane Keppeler
Ob auf der Baustelle, in der Pflege oder im Büro – Rückenprobleme können jeden Arbeitnehmenden treffen. „Erfahrungsgemäß sind die häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen Bewegungsmangel, einseitige oder ungewohnte Belastungen, Muskelverspannungen oder degenerative Veränderungen, beispielsweise der Bandscheibe. Aber auch eine fehlende Rumpfstabilität sowie Stress und psychosoziale Faktoren können Gründe sein,“ sagt Doerthen Prieg-Hoersch. Entsprechend leicht lässt sich schon mit einfachen Tricks dem Rücken etwas Gutes tun: „Unser Rücken liebt Abwechslung, Bewegung und in Maßen auch Belastung,“ führt die Therapeutische Leitung Prävention aus. An erster Stelle dabei: Mehr Bewegung im Alltag. Deswegen steht auch der 25. Tag der Rückengesundheit am 15. März 2026 unter dem Thema „gesundheitsfördernde Bewegung“. Bundesweit macht der Aktionstag darauf aufmerksam, wie regelmäßige Alltagsbewegungen Rückenschmerzen vorbeugen und die Lebensqualität verbessern können. Konkret gibt die Expertin aus dem BG Klinikum Hamburg dazu folgende Tipps: „Nehmen Sie statt dem Aufzug die Treppe. Planen Sie kleine Spaziergänge beispielsweise in der Mittagspause ein. Oder wenn Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, steigen Sie eine Haltestelle früher aus und laufen den Rest der Strecke.“ Kurze Mobilisationsübungen auch während der Arbeit helfen ebenfalls, selbst wenn es nur zwei bis drei Minuten sind. Wer etwas heben muss, sollte dies bewusst aus den Beinen tun und die Last nah am Körper halten. Allen, die im Alltag viel Zeit in einer Haltung verbringen, empfiehlt Prieg-Hoersch, wenn möglich regelmäßig die Position zu wechseln.
Neben diesen kleinen Gewohnheiten rät die Expertin dazu regelmäßig Krafttraining zu machen, um die Rumpfmuskulatur zu stärken: „Dabei sollte nicht nur der Rücken trainiert werden, sondern auch die Bauch- und Gesäßmuskulatur. So stabilisieren wir die Wirbelsäule und gleichen Dysbalancen aus,“ fasst sie zusammen. Bei einseitigen Belastungen gilt es, einen Ausgleich zu schaffen. Zudem sei es wichtig, für ausreichend Schlaf und Regeneration zu sorgen. „Außerdem ist es sinnvoll, Stress zu reduzieren. Psychische Belastung spielt oft eine große Rolle, da sie zu Verspannungen insbesondere der Schulter- und Nackenmuskulatur führt“, so Prieg-Hoersch. Um Problemen am Arbeitsplatz vorzubeugen, ist es wichtig, diesen ergonomisch einzurichten. Die Anforderungen variieren dabei je nach Berufsgruppe. Für Menschen in Bürotätigkeiten geht es um die richtige Einstellung des Stuhls, Tischs und der Bildschirme während für Arbeitnehmende mit körperlichen Tätigkeiten beispielsweise die richtigen Hebetechniken oder Körperhaltungen im Fokus stehen.
Prävention mit allen geeigneten Mitteln
Wie wichtig die Prävention von berufsbedingten Rückenbeschwerden auch dem Gesetzgeber ist, zeigt der Auftrag der Unfallversicherungsträger. Diese sind dazu angehalten, mit allen geeigneten Mitteln der Gefahr entgegen zu wirken, dass eine Berufskrankheit entsteht, wiederauflebt oder sich verschlimmert. Um die Rückengesundheit ihrer Versicherten zu erhalten, bieten beispielsweise die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) deswegen regelmäßig Rückenkollegs unter anderem am BG Klinikum Hamburg an. „Alle bei den beiden Trägern versicherten Beschäftigte, bei denen ein Verdacht auf eine durch berufliche Belastung bandscheibenbedingte Erkrankung der Lendenwirbelsäule besteht, haben damit die Möglichkeit eine dreiwöchige präventive Therapiemaßnahme wahrzunehmen,“ erklärt Prieg-Hoersch. Nach dem Grundsatz „Prävention vor Rehabilitation“ lernen die Teilnehmenden, wie sie die Gesundheit ihres Rückens fördern. Neben einer optimierten Therapie zur Besserung der Rückenbeschwerden stehen dabei rückenentlastende Arbeitstechniken und ein intensives Muskelaufbautraining im Fokus. Nach dem erfolgreichen Abschluss haben alle Rückenkolleg-Teilnehmenden die Möglichkeit, einen oder mehrere Refresher-Kurse zu absolvieren. Diese dauern jeweils fünf Tage und dienen dazu, das Gelernte zu reflektieren und noch einmal intensiv zu üben oder an eine geänderte Arbeitsplatzsituation anzupassen. „Prävention bedeutet belastbar bleiben, nicht Bewegungen zu vermeiden. Entsprechend ist das Ziel des Rückenkollegs, die Gesamtbelastbarkeit in Alltag und Beruf zu verbessern. Damit erhalten wir nicht nur die Arbeitsfähigkeit, sondern steigern auch die Lebensqualität,“ fasst Doerthen Prieg-Hoersch zusammen.
Wie effektiv das Rückenkolleg ist, erzählt Werkpolier Sven auf Instagram: Zum Reel
| Was tun bei Rückenschmerzen? Als Grundsatz gilt: „So aktiv wie möglich, so wenig Schonung wie nötig.“ Leichte bis moderate Bewegung fördert die Heilung. Nur bei starken, akuten Beschwerden oder neurologischen Ausfällen ist kurzfristige Schonung sinnvoll. Wann ist bei Rückenschmerzen ärztlicher Rat einzuholen? - Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen - Blasen- oder Darmstörungen - Starke Schmerzen nach Unfall - Fieber oder unklarer Gewichtsverlust - Schmerzen, die länger als 2-3 Wochen anhalten |