Publiziert 2020 im JAMA Surgery, eingereicht von Dr. med. Thomas Kahl, Institut für Radiologie und Neuroradiologie, BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin.
Bei der Studie handelt es sich um eine quasi-experimentelle Zeitreihenanalyse, welche untersuchte, ob die primäre Multidetektor-Ganzkörper-Computertomographie (WB-MDCT) bei vermutet Polytraumatisierten mit einem sogenannten iterativen Dosisreduktionsalgorithmus eine gegenüber etablierten Niedrigdosis-WB-MDCT-Protokollen nicht-unterlegene diagnostische Aussagekraft in der Erkennung von potenziell lebensbedrohlichen Verletzungen bietet. Die WB-MDCT stellt die akzeptierte Referenztechnologie der Polytrauma-Diagnostik dar, wird jedoch aufgrund der notwendigen Strahlenexposition kritisiert. Moderne Untersuchungsprotokolle reduzieren diese bereits auf das absolute Minimum. Iterative Dosisreduktionsalgorithmen wie iDose4 oder ASIR können durch eine Aufhebung des Rauschens die mittlere diagnostische Strahlenexposition weiter reduzieren. Es gibt bisher jedoch keinen klinischen Beleg, dass trotz einer möglichen Einschränkung der Bildqualität therapeutisch relevante Verletzungen nicht übersehen werden.
Die DoReMI-Studie (Dose Reduction in Multiple Trauma Imaging, ISRCTN74557102) schloss 1074 Patienten und Patientinnen ein, welche zwischen September 2014 und August 2016 im Unfallkrankenhaus Berlin aufgrund einer vermuteten schweren Verletzung bzw. eines Polytraumas mittels primärer WB-MDCT gescreent wurden. 565 unterliefen eine konventionelle Niedrigdosis-WB-MDCT, 509 eine iDose4-WB-MDCT. Die nicht-zufällige (nicht-randomisierte) Zuteilung war der Auflage der Ethik-Kommission geschuldet, das zugrundeliegende Design kam dem Goldstandard der randomisierten Studie am nächsten, und etwaige Unterschiede im Ausgangsprofil der Studienteilnehmer wurden mittels komplexer Regressionsverfahren ausgeglichen.
Die Kernaussage der Studie lautet, dass iterative Dosisalgorithmen ohne Kompromisse an die diagnostische Genauigkeit die mittlere diagnostische Strahlenexposition der WB-MDCT halbieren können.