Zu Beginn der Studie wird eine ausführliche Diagnostik durchgeführt. Die Physiotherapie ist dabei ein zentraler Baustein. Bildnachweis: BG Universitätsklinikum Bergmannsheil

Schmerzabteilung im Bergmannsheil startet neues Behandlungs­programm

Wiederkehrende Schmerzen besser behandeln – Projekt schließt Lücke

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09.12.2022BG Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum

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Robin Jopp

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Der Startschuss für eine bessere Versorgung von Patientinnen und Patienten mit wiederkehrenden Schmerzen ist mit dem Start des Projektes PAIN 2.0 erfolgt. Mit dabei ist die Abteilung für Schmerzmedizin am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum. An 22 Standorten, so auch in Bochum, steht ab 1. Januar 2023 ein maßgeschneidertes ambulantes zehnwöchiges Programm zur Verfügung, das berufsbegleitend bei wiederkehrenden Schmerzen durchgeführt werden kann. Ab Januar 2023 können sich Patientinnen und Patienten melden, um an einer ambulanten Versorgungsstudie der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V und ihrer Partner teilzunehmen, die die Chronifizierung von Schmerzen vermindern soll.

Hier geht es zur Website der Studie und zur Anmeldung: Website Pain 2.0

„Das Projekt PAIN2.0 schließt eine wichtige Versorgungslücke, denn bei vielen Patientinnen und Patienten ist derzeit die Chronifizierung von Schmerzen unnötig weit fortgeschritten“ so Dr. Dr. Andreas Schwarzer, leitender Arzt (komm.) der Abteilung für Schmerzmedizin am Bergmannsheil. „Eine Prävention ist auch ambulant nötig und möglich“, betont apl. Prof Dr. Winfried Meißner, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. Ziel der Therapieinhalte des Projekts PAIN2.0 ist die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit und der Selbstwirksamkeit der Betroffenen. PD Dr. Kathrin Bernardy, leitende Psychologin und Projektleiterin der Studie, erläutert: „Schmerzreduzierende Strategien werden zusammen mit wichtigem Wissen über Schmerz und seine Risikofaktoren vermittelt und eingeübt. Der Schwerpunkt liegt auf der Übertragung präventiver Strategien in den unmittelbaren Alltag der Patientin und des Patienten.“

PAIN2.0 ist eine bundesweite wissenschaftliche Versorgungsstudie, die durch den Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss (Förderkennzeichen 01NVF20023) über drei Jahre mit rund 7 Mio. EURO öffentlicher Mittel gefördert wird. Unter dem Dach der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V hat sich das Projektkonsortium aus 22 Einrichtungen gemeinsam mit der BARMER Krankenkasse das Ziel gesetzt, Lücken in der Schmerzversorgung zu schließen: Das neue ambulante interdisziplinäre Therapieangebot richtet sich an Menschen mit wiederkehrenden Schmerzen mit dem Ziel, eine Chronifizierung zu vermeiden.

Das Therapiekonzept orientiert sich an den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Prävention von chronischen Schmerzen, die vor allem durch eine Mischung aus Wissensvermittlung und körperlichen Übungen erreicht werden kann. Dabei arbeiten in der Gruppentherapie die Patientinnen und Patienten mit Ärztinnen und Ärzten, Psychotherapeutinnen und -therapeuten und Physiotherapeutinnen und -therapeuten eng zusammen. Über regelmäßige Absprachen im Team, Einzelsitzungen der jeweiligen Berufsgruppen und die Durchführung der Gruppentherapie wird die Patientin und der Patient aus allen Perspektiven betrachtet und optimal therapiert sowie individuell betreut. PAIN2.0 richtet sich an Erwachsene (ab 18 Jahre) mit wiederkehrenden Schmerzen von mehr als 6 Wochen oder häufig wiederkehrenden Schmerzen, wenn sie sich in ihrer Lebensführung durch diese Schmerzen eingeschränkt fühlen. Sofern in diesen Fällen, nach Abklärung durch Fachpersonal, erste Anzeichen auf Risikofaktoren für eine Schmerzchronifizierung festgestellt werden, ist eine Teilnahme für Patientinnen und Patienten an dem Projekt PAIN2.0 indiziert.

PAIN2.0 ist als wissenschaftliche Studie multizentrisch organisiert und wird durch ein externes Institut evaluiert. „Wir hoffen auf gute Projektergebnisse. Nach Abschluss der Studie und Evaluation in rund drei Jahren, könnte das neue Behandlungsprogramm dann in die Regelversorgung des deutschen Gesund-heitswesens überführt werden“, so der Schmerzgesellschafts-Präsident.

Bild: Zu Beginn der Studie wird eine ausführliche Diagnostik durchgeführt. Die Physiotherapie ist dabei ein zentraler Baustein. Bildnachweis: BG Universitätsklinikum Bergmannsheil