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    Fixe Initial­dosis birgt Vorteile bei der Opiod-Entzugs­behandlung

    Für die Patientinnen und Patienten bedeutet dieses Verfahren die gleiche Schmerz­reduktion bei erheblich weniger Neben­wirkungen und Entzugs­symptomen

    14.07.2020

    N. Bienek, C. Maier, M. Kaisler, B. Michel-Lauter et al.

     

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    Was bisher bekannt ist

    Patientinnen und Patienten, die etwa nach einem schweren Arbeitsunfall unter chronischen Schmerzen leiden, werden häufig mit Opioiden behandelt. In einigen Fällen, etwa wenn trotz Dosis­steigerung keine Linderung der Schmerzen eintritt oder starke Neben­wirkungen auftreten, erfolgt ein kontrollierter Opioid-Entzug. Das Standard­verfahren sieht hierfür eine Morphin­behandlung vor, deren Initial­dosis auf der zuletzt ein­genommenen des Opioids beruht (individuelle Initial­dosis ISD). Die Not­wendig­keit der Dosis­umrechnung ist jedoch fehler­anfällig und ist mit der Gefahr einer Über­dosierung verbunden.

    Studien­design und Resultate

    In einer retro­spektiven Studie wurde untersucht, ob die Behandlung mit einer moderaten fixen Initial­dosis (FSD) von 90 mg Morphin Vorteile gegenüber der Behandlung mit einer ISD hat. Das entsprechende Entzugs­protokoll wurde in der Abteilung für Schmerz­medizin des BG Universitäts­klinikum Bergmanns­heil entwickelt.

    Insgesamt wurden die Daten von 195 Patientinnen und Patienten miteinander verglichen. Davon wurden 127 nach dem ISD- und 68 nach dem FSD-Protokoll behandelt. Während die ISD-Gruppe mit einem Initial von 70% der vorherigen Morphin­äquivalenz­dosis begann, waren es in der FSD-Gruppe die festen 90 mg Morphin. In beiden Gruppen wurde im Verlauf die Dosis täglich um 10 bis 20% über einen Zeitraum von 7 bis 10 Tagen aus­ge­schlichen, also gesenkt.

    Zwei Scores wurden in der Studie untersucht: Die individuelle Entzugs­symptomatik wurde mit dem Subjective Opioid Withdrawal Scale (SOWS) gemessen, die Schmerzen mit der Numerischen Rating-Skala (NRS).

    Ergebnis

    Die häufigsten Entzugs­symptome waren in beiden Gruppen Schlaf­losigkeit, Erschöpfung sowie Knochen- und Muskel­schmerzen. Die Intensität unterschied sich jedoch zwischen den Gruppen. Nicht nur, dass die mittleren SOWS-Scores in der FSD-Gruppe niedriger waren, auch die Anzahl der Tage mit hoch­intensiven Entzugs­symptomen war kleiner als in der ISD-Gruppe.

    Auch wenn es in der Abbruchquote und bei der Inzidenz schwerer Zwischen­fälle bei geringem Wert keine merklichen Unterschiede gab, sieht das Ergebnis bei der Schmerz­intensität wieder anders aus. In beiden Gruppen nahm diese bis sechs Wochen nach Entzugsende gleicher­maßen ab – allerdings lag die Kranken­haus­verweil­dauer der FSD-Gruppe fünf Tage unter der der ISD-Gruppe.

    Bedeutung für die klinische Versorgung und Forschung in den BG Kliniken

    Ein Opioid-Entzug mit einer fixen Initial­dosis von 90 mg Morphin ist bei vergleich­barer Schmerz­reduktion mit weniger intensiven Entzugs­symptomen, Abbrüchen oder schweren Zwischen­fällen als bei einer individualisierten Anpassung verbunden. Trotz methodischer Limitationen stützt diese Untersuchung das FSD-Opioid­entzugs­schema bei Patienten mit chronischen Schmerzen aufgrund nicht nicht-maligner Erkrankungen und Verletzungs­folgen.

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