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Wie können wir Ihnen helfen?

    Frühe, interdisziplinäre Fallsteuerung kann Kosten senken

    Behandlungs- und Rehabilitationskosten von peripheren Nervenverletzungen der oberen Extremität in Deutschland

     

    BG Klinik Ludwigshafen

    Ihr Ansprechpartner

    Dr. phil.

    Annette Stolle

    Forschungsmanagement

    01.08.2021

    K.D. Bergmeister, L. Große-Hartlage, S.C. Daeschler, P. Rhodius et al.

     

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    Was bisher bekannt ist

    Verletzungen peripherer Nerven der oberen Extremität erfordern eine spezialisierte Therapie und häufig langwierige Rehabilitation, welche zum Kernkompetenz- und Kernleistungsspektrum der BG Kliniken gehören. Epidemiologie, Krankheitslast und gesundheitsökonomische Eckdaten wie Arbeitsunfähigkeitsdauer und direkte Kosten sind in Deutschland noch unzureichend beschrieben. Evidenzbasierte Leitlinien wie diejenigen der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AMWF) beziehen sich zumeist auf Informationen aus der Schweiz und Schweden.

    Studiendesign und Resultate

    In dieser Untersuchung wurden die Behandlungs- und Rehabilitationskosten peripherer Nervenverletzungen in Deutschland unter den besonderen Vorgaben der Gesetzlichen Unfallversicherung evaluiert. Ausgewertet wurden alle peripheren Nervenverletzungen in Folge eines Arbeitsunfalls, welche zwischen Januar 2012 und Dezember 2017 in der BG Klinik Ludwigshafen behandelt wurden. Von allen Fällen mit einem abgeschlossenen Follow-up von 78 Wochen wurden die direkten Kosten der akutstationären Behandlung (Diagnostik, Operation, stationärer Aufenthalt) sowie der stationären Rehabilitation ausgewertet. 
    Von 556 Versicherten mit peripheren Nervenverletzungen der oberen Extremität konnten 250 (85% Männer, 15% Frauen) gemäß oben genannten Kriterien eingeschlossen werden. Das mittlere Alter betrug 40 (SD 14) Jahre. 87% aller Verletzungen ereigneten sich werktags, die Hälfte wurde durch elektrische Maschinen verursacht. Betroffene wurden im Mittel 7 (SD 6) Tage stationär behandelt.
    153 Versicherte hatten eine isolierte Verletzung des Nervus medianus erlitten, welche akute Behandlungskosten von 3.569,94 Euro verursachten. 24 Versicherte erlitten eine isolierte Verletzung des Nervus radialis mit mittleren Behandlungskosten von 3.166,14 Euro. Isolierte Nervus ulnaris Verletzungen verursachten bei 57 Betroffenen im Mittel Behandlungskosten von 2.650,25 Euro. Bei 18 Versicherten lag eine kombinierte Nervus medianus / Nervus ulnaris Schädigung vor (mittlere direkte Kosten 11.402,47€).

    In 123 Fällen (49%) waren zusätzlich eine oder mehrere Sehnen verletzt. Diese Fälle verursachten mittlere Akutbehandlungskosten von 5.085,53 Euro statt 2.660,16 Euro ohne Begleitverletzungen. 16% der Versicherten benötigten eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme mit mittleren Kosten von 5.842,35 Euro bei einer Aufenthaltsdauer von durchschnittlich 41 Tagen. 
    Die durchschnittliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit betrug 147 (SD 163) Tage. Bei einem Kostensatz von 197,00 Euro pro Tag resultierten Kosten von 17.640,00 Euro pro Fall. 
    Knapp einem Drittel aller Verletzten wurde eine lebenslange Erwerbsminderungsrente von durchschnittlich 3.187,00 Euro jährlich zugesprochen. 

    Bedeutung für die klinische Versorgung und Forschung in den BG Kliniken

    Verletzungen von peripheren Nerven der oberen Extremität besitzen neben weitreichenden funktionellen Folgen für die Betroffenen auch erhebliche gesundheitsökonomische Konsequenzen. Sie verursachen bei durchschnittlicher Lebenserwartung lebenslange Kosten von 102.166.59 Euro pro Fall.
    Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer frühen und interdisziplinären Fallsteuerung bei peripheren Nervenverletzungen.