
Jede Veränderung zählt: Pflege auf der Intensivstation
Mit Pflegefachfrau Antonia Pöller auf der Intensivstation des BG Universitätsklinikums Bergmannsheil Bochum: Ein Umfeld, in dem modernste Technik Leben stützt und kompetente Pflege oftmals den Unterschied macht.
Es ist sechs Uhr morgens, als Antonia Pöller die Intensivstation betritt. Im Übergaberaum liegen bereits die Zettel mit den wichtigsten Informationen zu den Patientinnen und Patienten bereit: Beatmungsstatus, Bewusstseinslage, kreislaufwirksame Medikamente, Sedierung, Höhe der Sekretlast, Pupillenreaktion – alle durch die Nachtschicht in den vergangenen Stunden erhobenen Mess- und Beobachtungsdaten werden in der „kurzen Übergabe“ an alle Pflegenden des nachfolgenden Dienstes übergeben.
Sorgfältig liest Pöller die Informationen durch, denn gerade auf Intensivtherapiestationen können selbst kleinste Veränderungen entscheidend sein für den Verlauf. Die eigentliche Übergabe findet gleich direkt am Bett statt, von Mensch zu Mensch. Antonia Pöller bittet ihre Kollegin um eine Einschätzung: Wie stabil ist der Patient gerade, was war auffällig, worauf sollte das Team heute achten?
„Gerade die feinen Beobachtungen geben uns entscheidende Hinweise. Laborwerte und Monitorzahlen sind wichtig, aber sie erklären nicht alles. Deshalb behalten wir unsere Patientinnen und Patienten immer im Blick.“

Hightech, Verantwortung, Teamplay
Heute steht eine besondere Aufgabe an: Ein Patient wird nach ECMO-Annahme aus dem Herzkatheterlabor übernommen. Nach der Erstversorgung nimmt Antonia Pöller am Pflegestützpunkt Platz und erstellt die Pflegeanamnese für den Neuaufgenommenen.
Im intensivmedizinischen Setting stehen Atmung, Bewusstseinslage und kontinuierliche Patientenbeobachtung im Fokus. Der Pflegestützpunkt verfügt über einen Zentralmonitor, über den Pöller alle Patientinnen und Patienten mit ihren Vitalparametern im Blick behält. Die Station ist so organisiert, dass sie jederzeit reagieren kann.
Das Bergmannsheil verfügt über ein ECMO-Zentrum. Bei der extrakorporalen Membranoxygenierung wird Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und Kohlendioxid entfernt, damit sich Herz und Lunge erholen können. Oft werden Betroffene aus anderen Häusern verlegt, sobald klar wird: Es braucht diese hochspezialisierte Unterstützung und ein Team, das damit routiniert umgeht.
Der Schritt Richtung Intensivpflege
Nach ihrem FSJ spürte Antonia Pöller schnell, dass Pflege „ihr Ding“ ist. Sie absolvierte die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau und studierte parallel berufsbegleitend den Bachelor-Studiengang Pflege an der FH Münster. Ausbildungsblöcke, Arbeit, Schule, Uni – ein Kraftakt. Im Oktober 2023 schloss sie ab.
„Die B.Sc.-Ausbildung etabliert sich immer mehr in der Pflege", erklärt sie, „und ich wollte diese Möglichkeit nutzen."
Dass Antonia Pöller heute hier steht, hat viel mit einem bestimmten Moment in ihrer Ausbildung zu tun. Damals war sie auf der Intermediate Care Station (IMC), als ein Patient plötzlich zusammenbrach. Reanimation, Notfall-Funkruf, Adrenalin, es folgte die Verlegung auf die Intensivstation.
„Da habe ich gemerkt, es gibt noch so viel zu lernen", erinnert sie sich. In diesem Augenblick wusste sie, wohin sie wollte: in die intensivtherapeutische Versorgung schwer kranker Menschen.
Wenn Bochum, dann das Bergmannsheil
Schon während ihrer Ausbildung war klar, dass es die gebürtige Bochumerin wieder zu ihren Wurzeln zieht. „Als Arbeitsort kam für mich nur das Bergmannsheil infrage“, erzählt die heute 25-Jährige lächelnd. Ein großes, fortschrittliches Haus mit einem der größten Intensivbereiche der Region, mit vielen Einsatzmöglichkeiten für Pflegekräfte und moderner technischer Ausstattung.
Das BG Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum verfügt aktuell über 23 Kliniken und Fachbereiche, behandelt ein breites Spektrum an Erkrankungen und Verletzungen und verbindet Universitätsmedizin mit Unfallmedizin. Über 1.000 Pflegekräfte sind hier im Einsatz.
Für Antonia Pöller war anfangs auch entscheidend, nicht früh festgelegt zu sein, sondern Einblicke zu gewinnen.

„Gerade als junge Pflegefachkraft erhalte ich hier die Chance, unterschiedliche Stationen und Fachbereiche kennenzulernen.“
Pflegefachfrau
Schnell reagieren und früh um Hilfe bitten
Der Start auf der Intensivstation war trotzdem kein Spaziergang. „Ich habe mich am Anfang erstmal hilflos gefühlt", sagt Antonia Pöller offen. Ihre Einarbeitung dauerte zwei Monate, war gründlich, strukturiert und mit klaren Lernzielen. Rückblickend nennt sie das einen Schlüsselfaktor: „Die gute Einarbeitung war absolut maßgeblich dafür, dass ich sicher geworden bin."
Was man auf Intensiv vor allem lernen muss, ist schnell zu reagieren. Situationen können innerhalb von Sekunden kippen. Aber genauso wichtig, betont Pöller, sei etwas anderes, gerade für junge Pflegekräfte: „Man muss lernen, Kollegen um Hilfe zu bitten. Man kann das lernen, man muss nicht alles von Anfang an können." Ein Satz, der für Berufseinsteigende entscheidend sein kann und der zeigt, welche Kultur im Bergmannsheil gelebt wird.
Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Therapeutinnen und Therapeuten arbeiten interprofessionell und auf Augenhöhe miteinander. „Kurze Wege, klare Kommunikation und ein respektvoller Umgang miteinander, das wird hier aktiv praktiziert“, sagt Antonia Pöller.
Wenn Menschen wieder „da sind“
Es gibt Momente, die bleiben, weil sie zeigen, warum man das alles macht. Antonia Pöller erinnert sich an einen Patienten, der langsam aus einer Sedierung geholt wurde. Trotz guter Vorbereitung bleibt diese Phase immer ungewiss: Wie reagiert der Körper? Kommt die Orientierung zurück, ist das Bewusstsein wieder erreichbar? „Man weiß nicht, was passieren wird. Und dann merkst du plötzlich: Da ist jemand."
Besonders erfüllend sei es, wenn Patientinnen und Patienten auf die Normalstation verlegt werden können. „Das erlebt man in anderen Berufen nicht", sagt die Pflegefachfrau. „Man ist hier nicht am Computer. Man ist mit echten Gefühlen von sich und anderen konfrontiert. Wir erleben jeden Tag unendlich viel."
Mitgestalten: Das Projekt „Arbeitszeitmodelle“
Dass das BG Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum nicht nur medizinisch fortschrittlich ist, sondern auch die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden ernst nimmt und gezielt junge Pflegekräfte fördert, zeigt sich an einem Projekt, das Antonia Pöller derzeit gemeinsam mit einer Kollegin von der neurologischen Station umsetzt. Beide kennen sich aus dem Studium. Die Bereichsleitung hat sie gefragt, ob sie neue Arbeitszeitmodelle für die Pflege erarbeiten möchten.
„Das ist eine große Anerkennung für mich", sagt sie. „Ich sehe, dass Vertrauen in meine Fähigkeiten besteht." Gestartet sind sie mit einer standortweiten Umfrage unter Pflegekräften: Viele sind zufrieden, hätten aber auch konkrete Ideen, was sich verbessern ließe, wenn die Rahmenbedingungen es zulassen. Jetzt entwickeln die beiden jungen Pflegefachkräfte ein Konzept für einen Testlauf auf Station, im Austausch mit Stationsleitungen, die die Dienstpläne erstellen.

„Natürlich geht es auch darum, die Klinik für potenzielle Mitarbeitende interessanter zu machen. Aber vor allem geht es darum, mit modernen Arbeitszeitmodellen die Lebens- und Arbeitsrealität der Pflegekräfte ernst zu nehmen.“
Pflegefachfrau
Entwicklung, die nicht nur auf dem Papier steht
Antonia Pöller erlebt das Bergmannsheil als Arbeitgeber, der Entwicklung nicht nur verspricht, sondern möglich macht. „Wenn man möchte, kann man sich in allen passenden Bereichen fort- und weiterbilden. Die Möglichkeiten sind einfach sehr vielfältig." Sie nutzt das konsequent: Im März startet sie berufsbegleitend den Masterstudiengang „Management für Pflege- und Gesundheitsberufe" an der Hochschule Bochum.
Ihre Motivation dahinter ist klar: „Ich möchte auch für andere Bereiche Verständnis entwickeln, auch wirtschaftlich, organisatorisch." Pflege finde nicht im luftleeren Raum statt, sondern in einem komplexen System aus Ressourcen, Abläufen und Entscheidungen. Wer das verstehe, könne mehr bewegen. „Ich freue mich, wenn ich etwas für die Pflege tun kann."
Parallel hat sie aktuell kommissarisch die Teamleitung im Intensiv- und Dialysepool übernommen, zunächst für einen Monat, möglicherweise länger. Auch das ist ein Signal: Junge Pflegekräften bekommen hier Verantwortung, ohne allein gelassen zu werden.
„Ich will weiter lernen und am liebsten mit den Patienten arbeiten"
Trotz Studium und Leitungsaufgaben bleibt ihr beruflicher Mittelpunkt klar. „Ich möchte unbedingt weiter lernen, arbeite aber am liebsten am Bett, mit den Patienten", sagt sie bestimmt. Die Intensivstation ist ihr Ort. Hier erlebt sie jeden Tag, was Pflege bewirken kann. „Jede Handlung, jede Entscheidung kann für einen Menschen den Unterschied machen. Man kann so viel schaffen in der Pflege.“
Würde sie alles wieder genauso machen? Antonia Pöller zögert nicht: „Ja." Weil sie hier tun kann, was ihr am wichtigsten ist: Menschen in ihren schwersten Stunden beistehen und dabei helfen, ihnen Schritt für Schritt den Weg zurück ins Leben zu ebnen.


