
Großübung Get Prepared: BG Klinik Ludwigshafen übt Großschadenslage
Unter dem Motto „Get Prepared“ fand am 20. Juni 2026 an der BG Klinik Ludwigshafen eine Großübung statt. Die Übung umfasste erstmals verschiedene parallel ablaufende Krisenszenarien, die innerhalb mehrerer Funktionsbereiche der Klinik durchgeführt wurden. Im Ablauf von drei Stunden musste ein knappes Dutzend hochkomplexer Szenarien abgearbeitet werden, darunter ein Massenanfall von Verletzten, die Evakuierung einer Station aufgrund eines Brandes sowie ein Teilausfall der IT-Infrastruktur.
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20.06.2026An der Übung beteiligten sich weit über 300 Mitarbeitende der Klinik und damit rund ein Fünftel der Belegschaft. Einheiten der Feuerwehr, der Polizei und des Katastrophenschutzes wirkten an einzelnen Szenarien mit. Die Großübung „Get Prepared“ ist damit eine der größten Krisenübungen, die bislang an der BG Klinik Ludwigshafen durchgeführt wurden.
„Get Prepared“ stellt erstmals das Ineinandergreifen mehrerer Krisenszenarien in den Mittelpunkt. „Wir sind bereits sehr gut aufgestellt und trainieren unsere Alarm- und Einsatzpläne für verschiedene Szenarien schon jetzt regelmäßig. Diese Übungen und zahlreiche Einsätze in der Vergangenheit haben gezeigt, dass wir mit besonderen Einsatzlagen umgehen können. Nun gehen wir einen Schritt weiter und schauen, wie wir in Szenarien handlungsfähig bleiben, die sich überlagern“, sagt Susanne Dieffenbach, Vorsitzende der Geschäftsführung der BG Kliniken in Ludwigshafen und Tübingen. So verspricht sich die Klinik Erkenntnisse etwa zu den Fragen, wie ein Massenanfall an Verletzten abgearbeitet werden kann, wenn zugleich die Intensivstation durch einen Brand ausfällt oder welche Folgen es für die Patientenversorgung haben kann, wenn zeitgleich ein IT-Teilausfall, ein Ausfall der Sauerstoff-Reserve und ein Mangel an Medizinprodukten erfolgen.
Susanne Dieffenbach: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, in unübersichtlichen Lagen handlungsfähig zu bleiben und die Resilienz der Klinik zu stärken. Mit diesem Stresstest unserer Systeme gewinnen wir bei überschaubarem Ressourcen-Einsatz umfangreiche Erkenntnisse, welche Maßnahmen wir ergreifen können, um uns bestmöglich auf komplexe Großschadenslagen vorzubereiten.“
Resilienz im Gesundheitssystem stärkt Gesellschaft
„Kliniken zählen zur kritischen Infrastruktur und vor diesem Hintergrund müssen wir uns damit auseinandersetzen, dass Einrichtungen des Gesundheitswesens zum Ziel für offene oder verdeckte Anschläge werden können“, sagt Prof. Dr. Paul Alfred Grützner, Ärztlicher Direktor der BG Klinik Ludwigshafen und Geschäftsführer Medizin der BG Kliniken. Mögliche Anschläge könnten weitreichende Folgen in die gesamte Gesellschaft hinein haben.
Prof. Grützner: „Wenn wir die Resilienz im Gesundheitssystem steigern, zahlt das unmittelbar auf die Gesamtresilienz der Gesellschaft ein.“ Ein stabiles Gesundheitssystem, das auch in Krisenzeiten handlungsfähig bleibt, könne sich schnell auf neue Herausforderungen einstellen und damit Überlastungen des eigenen Systems wie auch der Gesellschaft vermeiden. Zudem könne es sicherstellen, dass die Menschen in der Gesellschaft handlungs- und leistungsfähig bleiben und dazu beitragen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Vertrauen in demokratische Strukturen zu stärken, so Prof. Grützner.
Netzwerken in außergewöhnlichen Lagen
Teil der Übung war auch die Vernetzung mit außerklinischen Strukturen. 20 Polizeikräfte übten das Zusammenspiel der Einsatzkräfte bei einem Amokalarm, die Feuerwehr trainierte mit 29 Einsatzkräften unter anderem die Evakuierung einer Station nach einem Brand. Die im Bereich Vorderpfalz im Katastrophenschutz aktiven Hilfsorganisationen unterstützten mit 24 Einsatzkräften die Übung durch die Bereitstellung von Rettungsfahrzeugen zum Patiententransport.
Prof. Grützner: „Gerade in Großschadenslagen ist der Austausch mit außerklinischen Einsatzeinheiten enorm wichtig. Wir sind hier in der Region schon sehr gut vernetzt und überzeugt, dass wir aus den gemeinsamen Übungsszenarien weitere Erkenntnisse für die organisationsübergreifende Zusammenarbeit ziehen werden.“
Das Thema Krisenmanagement gewinnt auch im Verbund der BG Kliniken zunehmend an Bedeutung. Anfang Juni 2026 hatte der BG Kliniken-Konzern die „Stabsstelle Resilienz und Krisenmanagement“ eingerichtet, die die Resilienz aller Standorte erhöhen und das Krisenmanagement stärken soll. Seit 2019 besteht zudem eine Kooperation der BG-Kliniken mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr. „Mit diesen Maßnahmen stärken wir die Widerstandsfähigkeit unserer Klinikstandorte und leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit in Krisenzeiten“, so Prof. Grützner.
Zusammenarbeit der Beteiligten stärken
Auch Jacqueline Schröder, Leiterin der Polizeidirektion Ludwigshafen, zieht eine positive Bilanz: „Gemeinsame Übungen wie ‚Get Prepared‘ sind von großer Bedeutung, um die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und den Kliniken weiter zu vertiefen. Sie bieten die beste Möglichkeit, Abläufe und das Zusammenspiel aller Beteiligten realitätsnah zu trainieren. Wer im Vorfeld gemeinsam übt, kann auch in komplexen Einsatzlagen schnell, abgestimmt und effektiv handeln. Ich bin dankbar, dass wir uns an dieser einzigartigen Übung beteiligen konnten, und freue mich darauf, diese gute Zusammenarbeit auch künftig fortzusetzen.“
"Die BG Klinik Ludwigshafen ist als überregionales Traumazentrum und spezialisierter Versorger ein wichtiger Baustein der medizinischen Notfallversorgung - für die Region und weit darüber hinaus. Gerade in Krisen und bei Großschadenslagen kommt Krankenhäusern als Teil der Kritischen Infrastruktur eine besondere Bedeutung zu. Die BG Klinik übernimmt dabei aufgrund ihrer Spezialisierung eine zentrale Rolle in der gesundheitlichen Krisenvorsorge. Regelmäßige klinikübergreifende Großübungen sind unverzichtbar, um auf außergewöhnliche Einsatzlagen vorbereitet zu sein. Sie stärken die Krisenfestigkeit der Krankenhäuser und fördern die Zusammenarbeit mit Rettungsdiensten, Katastrophenschutz und anderen beteiligten Organisationen", betont Dr. Tamara Müller, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium Rheinland Pfalz. Mit Blick auf die noch ausstehenden Regelungen des Bundes im Rahmen des Petersberger Prozesses und des Gesundheitssicherstellungsgesetzes erwarte das Land nun weitere Klarheit über die künftigen Strukturen und die Finanzierung der gesundheitlichen Krisenvorsorge, so die Staatssekretärin.
Die Amtschefin des Ministeriums für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg, Ministerialdirektorin Leonie Dirks, sagt: „Die vergangenen Jahre haben uns deutlich vor Augen geführt, dass Krisenlagen komplexer und vielschichtiger werden. Ob Pandemien, Extremwetterereignisse, Cyberangriffe oder sicherheitspolitische Herausforderungen – ein leistungsfähiges und widerstandsfähiges Gesundheitswesen ist ein wesentlicher Bestandteil unserer gesamtgesellschaftlichen Vorsorge.“ Die Großübung ‚Get Prepared‘ der BG Klinik Ludwigshafen schaffe die Voraussetzungen dafür, auch unter außergewöhnlichen Belastungen eine hochwertige medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten, so Dirks. „Für Baden-Württemberg ist die Stärkung der Resilienz im Gesundheitswesen ein zentrales Anliegen. Dazu gehören eine enge Zusammenarbeit aller Akteure, belastbare Versorgungsstrukturen sowie eine Kultur der Vorbereitung und des gemeinsamen Lernens. Ich begrüße das Engagement der BG Klinik Ludwigshafen und aller beteiligten Partner ausdrücklich. Solche Übungen schaffen wertvolle Erkenntnisse für die Praxis und leisten damit einen wichtigen Beitrag, um die Gesundheitsversorgung auch in zukünftigen Krisenlagen verlässlich sicherzustellen.“
