Krankheitsbilder an der Wirbelsäule
Die Wirbelsäule trägt nicht nur unser Gewicht, sondern ist auch entscheidend für unsere Beweglichkeit. Entdecken Sie, wie Sie Beschwerden erkennen und welche Behandlungen effektiv helfen können.
Fraktur (Wirbelsäulenbruch)
Eine Fraktur der Wirbelsäule ist ein Bruch oder eine Rissbildung eines Wirbelkörpers. Sie entsteht meist durch einen Sturz oder Anprall an der Wirbelsäule, nicht selten auch bei Osteoporose. In Abhängigkeit von der Bruchform kann der Wirbel eingedrückt oder verschoben sein. Typische Beschwerden sind Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkungen sowie – bei Druck auf Nerven oder Rückenmark – neurologische Symptome wie Taubheit, Kribbeln oder Muskelschwäche.
Die Behandlung richtet sich nach Schwere und Lage des Bruches und reicht von Schonung, Schmerzmittelgabe und Physiotherapie bis hin zu operativen Verfahren. Die Diagnostik beinhaltet Röntgen, Computertomografie und ggf. auch die Kernspintomografie, welche für Diagnose und Therapieplanung notwendig sind. Neben minimal-invasiven Verfahren können sämtliche andere Stabilisierungsformen zur Anwendung kommen.
Posttraumatische Deformitäten
Posttraumatische Wirbelsäulendeformitäten bezeichnen Veränderungen der Form, Ausrichtung und Struktur der Wirbelsäule, die sich als Folge eines Traumas an der Wirbelsäule entwickeln. Typische Ursachen sind Frakturen der Wirbelkörper, Verschiebungen, Abrisse von Wirbelkörperanteilen oder Instabilitäten aufgrund beschädigter Bandscheiben, Gelenke oder Bänder.
Diese Schäden führen oft zu einer veränderten Statik der gesamten Wirbelsäule, was zu Fehlhaltungen (Kippung oder Seitabweichung), eingeschränkter Beweglichkeit und erhöhter Empfindlichkeit gegenüber Belastung führt. Häufig treten zusätzlich Schmerzen im Rücken oder entlang der Nervenbahnen auf. Es können neurologische Beschwerden entstehen, wenn benachbarte Nervenwurzeln oder das Rückenmark durch die veränderte Form der Wirbelsäule eingeengt oder gereizt werden.
Die Symptome variieren je nach Lokalisation (Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule) und Ausmaß der Deformität und können akut oder sich über Monate bis Jahre entwickeln. Eine genaue Einordnung erfolgt durch eine klinische Untersuchung, bildgebende Verfahren (Röntgen, CT, MRT) und die Beurteilung von Stabilität und neurologischem Status.
Die Behandlung richtet sich nach Lage, Stabilität und Ausmaß der Deformität sowie dem Beschwerdebild. Sie reicht von konservativen Ansätzen wie Schmerztherapie, physikalischer Therapie, Bewegungsübungen und stabilisierenden Korsetten bis zu operativen Maßnahmen, bei denen die Wiederherstellung der Form, die Stabilisierung der Wirbelsäule und die Entlastung der Nervenstrukturen im Vordergrund stehen. Ziel der Therapie sind Schmerzlinderung, Funktionsverbesserung und die Verhinderung weiterer Verschlechterung.
Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen
Degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule umfassen altersbedingte Veränderungen, die mit Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Funktionsverlust einhergehen können. Zu den häufigsten Erscheinungsformen zählen Bandscheibenschäden (z. B. Bandscheibenprotrusionen), Bandscheibenverschleiß (Spondylose), Spinalkanal- oder Foraminalstenosen sowie Arthrose der Wirbelgelenke.
Ursachen sind natürliche Alterungsvorgänge, wiederholte Belastungen, ungünstige Haltungen, Übergewicht und deutlich ausgeprägte Wirbelsäulenveränderungen.
Typische Beschwerden umfassen Rückenschmerzen im Hals-, Brust- oder Lendenbereich, ggf. mit Ausstrahlung in Arme oder Beine, Steifheit sowie morgendliche Besserung nach Bewegung. Die Diagnostik erfolgt basierend auf Anamnese und körperlicher Untersuchung und wird durch bildgebende Verfahren wie Röntgen, Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT) ergänzt.
Die Behandlung zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Funktionsfähigkeit zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen. Konservative Ansätze umfassen Schmerztherapie, Physiotherapie, Bewegungstherapie, Gewichtsmanagement und ggf. Ergotherapie. Bei fortgeschrittenen Befunden können Injektionen, spezielle Rückenübungen oder operative Maßnahmen wie Dekompression und/oder Wirbelversteifungen sinnvoll sein.
Spondylodiszitis / Tumor
Spondylodiszitis
Die Spondylodiszitis ist eine Entzündung der Bandscheibe und der angrenzenden Wirbelkörper, zumeist ausgelöst durch Bakterien. Sie kann plötzlich auftreten oder chronisch verlaufen und mit starken Rückenschmerzen, Fieber, Nachtschweiß, Erschöpfung sowie Bewegungseinschränkungen einhergehen.
Typisch sind rasch oder kontinuierlich zunehmende Wirbelsäulenschmerzen, gelegentlich mit Ausstrahlung in Beine oder Arme. Risikofaktoren umfassen chronische Erkrankungen, Immunschwäche, vorausgegangene Infiltrationen oder Eingriffe an der Wirbelsäule sowie eine mögliche Infektion der Blutbahn.
Die Diagnostik erfolgt durch Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutwerte und bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT); häufig wird die Diagnose durch positive Blutkulturen oder Gewebeproben unterstützt.
Die Behandlung umfasst in der Regel eine gezielte Antibiose über mehrere Wochen; bei schweren Verläufen oder Komplikationen kann zusätzlich eine operative Stabilisierung und Entfernung der betroffenen Bandscheibe notwendig werden.
Tumorerkrankungen
Tumorerkrankungen der Wirbelsäule können primär aus der Wirbelsäule selbst entstehen oder sekundär von anderen Krebsarten ausgehen. Betroffene klagen häufig über Rückenschmerzen, die sich durch Bewegung verstärken oder nachts zunehmen können, sowie über neurologische Auffälligkeiten wie Taubheit, Muskelschwäche oder Blasen-/Stuhlinkontinenz, falls Nervenstrukturen betroffen sind.
Die Diagnose basiert auf Anamnese, körperlicher Untersuchung, Blutwerten und bildgebenden Verfahren wie MRT, CT und Knochenszintigrafie. Biopsien oder operative Gewebeproben dienen der eindeutigen Feststellung der Krebsart.
Die Behandlung richtet sich nach der Krebsart sowie dem Krankheitsstadium und umfasst – neben Strahlentherapie, systemischen Therapien (Chemotherapie, zielgerichtete Therapien, Immuntherapie) – häufig die operative Stabilisierung der Wirbelsäule und Entlastung der nervalen Strukturen, insbesondere bei Instabilitätskriterien sowie neurologischen Ausfällen.
Ein interdisziplinäres Behandlungsteam aus Onkologinnen/Onkologen, Chirurginnen/Chirurgen, Radiologinnen/Radiologen und Schmerztherapeutinnen/Schmerztherapeuten ist notwendig, um eine individuelle, bestmögliche Therapiestrategie zu erarbeiten.