
Einkauf als digitales Schnittstellenmanagement
Sieben Fragen an Barbara Handke, Leiterin Zentraler Einkauf, BG Unfallklinik Frankfurt am Main
Frau Handke, wie erklären Sie Familie und Freunden Ihre Arbeit?
Oft sage ich, dass der Einkauf für alles verantwortlich ist, was ein Krankenhaus an Produkten braucht – von der kleinsten Schraube bis zum Großgerät. Man könnte meinen Job mit der Vorbereitung eines 3-Gänge-Menüs vergleichen: Da überlege ich mir auch, was ich kochen möchte, welche Zutaten ich benötige und wo ich diese Dinge kaufen kann. Und es interessiert mich, wo ich die beste Qualität zu einem günstigen Preis bekomme.
Und wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Ich habe mit vielen verschiedenen, oftmals strategischen Themen zu tun – kein Tag gleicht dem anderen. Ich beschäftige mich u.a. mit dem Vertragsmanagement, begleite Vergabeverfahren, treffe Hersteller von Medizinprodukten oder erstelle Berichte. Der fachübergreifende Austausch spielt grundsätzlich eine große Rolle.
Warum haben Sie sich für den Einkauf als Arbeitsplatz entschieden?
Ich bin Fachkrankenschwester für Anästhesie und habe über 20 Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Durch ein Aufbaustudium in Healthcare Management habe ich über mehrere Zwischenstationen den Einstieg in den Einkauf gefunden. Hier kann ich mein Interesse an wirtschaftlichen Prozessen mit meinem Vorwissen verbinden: Es ist von Vorteil, dass ich meine Kolleginnen und Kollegen aus dem medizinischen Bereich und ihre Anliegen verstehe und den Sinn eines Produkts einschätzen kann.
Haben Sie die Möglichkeit, sich auch mit Patienten auszutauschen? Wenn ja, in welchem Rahmen?
Bei den meisten Bestellprozessen ist der Austausch mit dem Patienten nicht vorgesehen, weil der Bedarf meist über den Arzt an uns herangetragen wird. Aber es gibt Sonderbestellungen, bei denen wir uns im Nachhinein anschauen, welche Erfolge der Patient mit bestimmten Produkten erzielt. Diesen Fall hatten wir im letzten Jahr zum Beispiel imZusammenhang mit der Beschaffung eines Exoskeletts für Querschnittgelähmte Patienten.
Welche Herausforderungen sehen in Ihrem Bereich in den nächsten Jahren?
Die Digitalisierung wird Herausforderung und Chance gleichermaßen sein. Derzeit führen wir Bestellungen aus, kontrollieren den Wareneingang usw. und machen noch viel händisch, auch wenn einige Prozesse schon IT-technisch unterstützt werden. Das Berufsbild des Einkäufers wird sich zu einem digitalen Schnittstellenmanager verändern. Hier möchte ich in den kommenden Jahren noch einige Weiterentwicklungen erreichen.
Welche Änderungen schweben Ihnen da vor?
Mein Ziel ist es, vom Bestellungsprozess bis zur Rechnungserstellung alles digital umzusetzen. Durch automatisierte Prozesse soll beispielsweise im OP, wo wir besonders viel Ware haben, eine möglichst passgenaue, lückenlose Versorgung mit Produkten gewährleistet werden. Aber auch in Bezug auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz erwarte ich noch einige spannende Entwicklungen.
Was macht die BG Kliniken aus Ihrer Sicht besonders?
Das hohe Maß an Spezialisierung führt dazu, dass wir bis zum kleinsten Nagel sehr viele Produkte in ganz anderer Detailtiefe kennen und eine sehr viel speziellere Auswahl vorhalten müssen als das in anderen Krankenhäusern der Fall ist. Zudem schätze ich das Klima bei den BG Kliniken sehr – wir haben sehr gute Kontakte über alle Berufsgruppen, Bereiche und Schnittstellen hinweg, tauschen uns aus und suchen gemeinsam nach Lösungen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der unterschiedlichen Standorte im Bereich Einkauf und Logistik treffen sich regelmäßig und in den letzten Jahren haben sich die Zusammenarbeit mit dem Konzern als auch die Kooperation der Einkäufer untereinander sehr positiv entwickelt.