Realitätsnahe Belastungsprobe bestanden
Krisenstrukturen der BG Unfallklinik Murnau bewähren sich bei Großübung
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05.10.202630 Verletzte gleichzeitig, darunter einige mit unbekannter Infektion – und das bei einer bereits gut ausgelasteten Klinik: Mit einem anspruchsvollen Szenario hat die BG Unfallklinik Murnau am Freitag, 2. Oktober, ihre Strukturen für außergewöhnliche Einsatzlagen auf die Probe gestellt. Das erste Fazit fällt positiv aus: Der neu implementierte Krankenhausalarm- und Einsatzplan hat sich bewährt.
Murnau, 05. Oktober 2026 – Ein Rettungswagen nach dem anderen rollt an der BG Unfallklinik Murnau vor. Verletzte werden in die Klinik gebracht, ärztlich gesichtet und entsprechend der Dringlichkeit ihrer Verletzungen zur weiteren Behandlung verteilt. Immer neue Patientinnen und Patienten kommen hinzu – insgesamt 30, zusätzlich zum laufenden Klinikbetrieb. Was am 2. Oktober 2026 wie eine außergewöhnliche Einsatzlage aussah, war eine Übung im großen Stil: Rund 150 Beteiligte probten an der BG Unfallklinik Murnau den Ernstfall. Sie kamen aus der Klinik selbst, vom Bayerischen Roten Kreuz, der Kreisbrandinspektion Garmisch-Partenkirchen, der Polizei und dem Gesundheitsamt.
Krisen brauchen Vorbereitung und Übung
Die BG Unfallklinik Murnau ist spezialisiert auf die Versorgung schwerstverletzter Patientinnen und Patienten. Im Alltag greifen dafür etablierte Abläufe, doch in besonderen Lagen wie einem Massenanfall von Verletzten oder dem Ausfall kritischer Infrastrukturen werden die Anforderungen schnell komplex. Auch während einer Großschadenslage muss die reguläre medizinische Versorgung der Bevölkerung zuverlässig weiterlaufen. Dazu braucht es vorbereitete Strukturen, klare Verantwortlichkeiten und eingeübte Abläufe. Die Stabsstelle für Katastrophenmedizin der BG Unfallklinik Murnau bereitet solche außergewöhnlichen Lagen mit einer detaillierten Krankenhausalarm- und Einsatzplanung vor.
„Als große Unfallklinik und überregionales Traumazentrum tragen wir eine besondere Verantwortung – auch für die medizinische Versorgung der Region in außergewöhnlichen Situationen. Dieser Verantwortung werden wir gerecht und haben in den vergangenen Jahren im Krisenmanagement bereits wichtige Strukturen aufgebaut, die wir stets weiterentwickeln“,
sagt Markus Schepp, Geschäftsführer der BG Unfallklinik Murnau.
Konkreter Anlass der Übung war, den kürzlich überarbeiteten und neu implementierten Krankenhausalarm- und Einsatzplan (KAEP) einer Feuerprobe zu unterziehen. Der KAEP definiert Strukturen, Zuständigkeiten und Abläufe für außergewöhnliche Einsatzlagen. Im Ernstfall können diese unmittelbar aktiviert werden, sodass Verantwortlichkeiten, Entscheidungswege und Kommunikationsstrukturen bereits feststehen.
In der Praxis bewährt
Als am Freitagnachmittag die ersten Rettungswagen an der Klinik eintrafen, wurden die vorbereiteten Abläufe auch in der Patientenversorgung sichtbar: Die Verletztendarstellenden wurden übernommen und gesichtet, Behandlungsprioritäten festgelegt und die Patientinnen und Patienten in eigens für die Übung eingerichtete Versorgungsbereiche weitergeleitet. Eine zusätzliche Herausforderung brachten Patientinnen und Patienten mit einer unklaren Infektion ins Szenario. Bei einzelnen Patientinnen und Patienten fielen entsprechende Symptome auf. Nun galt es, parallel zur Versorgung ihrer Verletzungen die Ursache abzuklären, mögliche Infektionsrisiken einzuschätzen und zunächst eine isolierte Unterbringung zu organisieren.
Auch diese Lage konnte die Klinik zügig klären, berichtet Dr. Oliver Trapp, Leiter des Krisenstabs:
„Bei einem solchen Verdacht steht der Schutz unserer Patientinnen und Patienten sowie unserer Mitarbeitenden im Vordergrund. Deshalb haben wir die betroffenen Personen im Übungsszenario vorsorglich isoliert und gleichzeitig die notwendige Diagnostik eingeleitet sowie das Gesundheitsamt informiert. Als feststand, dass es sich um Tularämie, die sogenannte Hasenpest, handelt, konnten wir die Situation neu bewerten: Eine Übertragung von Mensch zu Mensch spielt bei dieser Erkrankung keine Rolle. Entsprechend konnten wir unsere weiteren Maßnahmen daran ausrichten.“
Positive Bilanz
Der Verlauf der Übung überzeugte Dr. Martin Dotzer, Leiter der Stabsstelle Katastrophenmedizin und Übungsleiter: „Die Übung zeigt uns, dass unsere vorbereiteten Strukturen bei einer realen Belastung sehr gut ineinandergreifen. Die Abläufe sind geordnet, die Kommunikation funktioniert und die zusätzlichen Patientinnen und Patienten lassen sich gut in die Versorgung integrieren.“
Auch Geschäftsführer Markus Schepp ist mit dem Verlauf der Übung am Freitagnachmittag zufrieden: „Die heutige Übung hat gezeigt, dass wir auf tragfähige Strukturen und auf Mitarbeitende zählen können, die auch in einer außergewöhnlichen Lage wissen, was zu tun ist. Darauf können sich die Menschen in der Region verlassen.“
Nun wird eine detaillierte Auswertung der Übung folgen, erklärt Dr. Martin Dotzer: „Wir werden genau analysieren, ob wir Details nachjustieren müssen. Auch, wenn heute alles sehr gut funktioniert hat: Krisenvorsorge ist eine kontinuierliche Aufgabe.“
Hochrangige Gäste
Neben den Übungsbeteiligten verfolgten auch Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Behörden und Organisationen die Großübung vor Ort:
Rolf Beuting, 1. Bürgermeister Markt Murnau
Peter Gröbl, Kreisbrandinspektor GAP
Herwig Heide, Ministerialdirigent, Ltg. Abteilung 2 (Krankenhausversorgung) StMGP
Christian Hornsteiner, Stellv. Landrat LRA Garmisch-Partenkirchen
Simone Kohn, Ministerialdirigentin, Ltg. Abteilung 6 (Gesundheitssicherheit) StMGP
Harald Kühn, MdL, Bayerischer Landtag
Stefan Lösch, Polizeihauptkomissar, Stellv. Dienststellenleiter Polizeiinspektion Murnau
Tobias Neuner, Erster Polizeihauptkomissar, Dienststellenleiter Polizeiinspektion Murnau
Dr. Michael Rapp, Kreistagsabgeordneter
Werner Sperber, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung BGU Murnau
Rico Strobel, Landratsamt GAP, Öffentliche Sicherheit und Ordnung/Katastrophenschutz
Elzbieta Voigtländer, Ministerialrätin, Ltg. Referat 64 – Grundsatzangelegenheiten der Abteilung 2, Fragen des Krankenhausbetriebs, StMGP
Dr. Christian Wenzler, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung BGU Murnau
Harald Zeitler, Geschäftsstellenleiter DGUV Landesverband Südost
Vor der Notaufnahme begutachteten Sichtungsteams die “Patient*innen”, um die Verletzungen zu erfassen und die Behandlungsdringlichkeit einstufen zu können. Foto: BGU Murnau
Ein “Patient” wird im Schockraum an das dortige Team übergeben. Foto: BGU Murnau
Zahlreiche Beobachter und Gäste machten sich ein Bild von der Übung - hier im Raum des Krisenstabs. Foto: BGU Murnau
