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    Impfungen

    Zahlreiche Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 sind bereits in der Entwicklung und frühen klinischen Erprobung. Bis zur breiten Anwendung in der Bevölkerung bedarf es aber kontrollierter klinischer Studien.

    Zwischen der ersten Epidemie­welle in China, der Identifikation und vollständigen Beschreibung des SARS-CoV-2-Coronavirus vergingen nur wenige Wochen. Hilfreich waren dabei Erkenntnisse aus den SARS- und MERS-Pandemien der Jahre 2003 und 2012, insbesondere aber die in Laboren von Universitäts­kliniken und Pharma­unternehmen weltweit etablierten, standardisierten Technologien zur Entschlüsselung und Verviel­fältigung der Erb­information (DNA) und ihrer Kopien (RNA). Wenige weitere Wochen waren erforderlich, um erste Impfstoff­kandidaten zu entwickeln und frühe klinische Prüfungen zu starten. In den USA wurde unter Federführung der dortigen obersten Gesundheits­behörde, den National Institutes of Health (NIH) und des Kaiser Permanente Washington Health Research Institute (KPWHRI) in Seattle am 16.03.2020 die erste Phase-1-Studie zu einem Impfstoff mit der Bezeichnung mRNA-1273 an 45 gesunden Freiwilligen begonnen. Phase-1-Studien dienen der Dosisfindung, also der Feststellung, welche Menge oder Konzentration eines neuartigen Medikaments für therapeutische Zwecke optimal und verträglich ist. Phase-2-Studien prüfen die Sicherheit und Wirksamkeit der Substanz in der in Phase-1-Studien ermittelten Dosierung an Erkrankten. Phase-3-Studien prüfen, ob das Mittel wirksamer als der bisherige Therapie­standard oder eine Schein­behandlung (Placebo) ist.

    Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Ansätze für die Entwicklung von Impfstoffen. Der klassische Weg ist die Einspritzung einzelner Oberflächen­eiweiße eines Erregers (hier: eines Virus), gegen die der Körper Antikörper und so eine immunologische Barriere herstellt. Eine andere Möglichkeit ist die Verabreichung lebender, aber harmloser Viren, die durch genetische Um­pro­gramm­ierung Oberflächen­strukturen des Krankheits­keims produzieren. Diese Maskerade löst ebenfalls die Produktion von gegen den eigentlichen Erreger gerichteten Antikörpern aus. Genbasierte Impfstoffe schließlich könnten durch die kontrollierte Ein­schleusung der Erb­information des Virus in bestimmte körpereigene Zellen dafür sorgen, dass diese Erreger­eiweiße produzieren, die das Immunsystem aktivieren. Im Fall von SARS-CoV-2 ist das wichtigste Oberflächen­merkmal, gegen welches Antikörper gebildet werden sollten, das S-Protein (S steht für „spike“, engl. Stachel, Zacke oder Spitze), mit dem das Virus an Rezeptoren menschlicher Zielzellen andockt.

    Leider ist die Produktion von Antikörpern nicht immer segensreich. Bei sogenannten Retroviren wie HIV zeigt der Nachweis von Antikörpern lediglich die chronische Infektion an, ohne dass diese zur Beseitigung des Virus aus dem Organismus führen würden. Auch kann es dazu kommen, dass aufgrund der Bildung von Antikörpern nach einer durchgemachten Erstinfektion der erneute Kontakt mit dem Erreger zu einer über­schießenden Immun­reaktion führt – bekannt ist dieses sogenannte ADE-Phänomen („antibody-dependent enhancement“) durch infektions­verstärkende Antikörper beim Dengue-Fieber. 

    Fazit

    Die reine Entwicklung von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 stellt nicht das eigentliche Problem dar. Diese sind entweder bereits vorhanden oder stehen kurz vor der klinischen Erprobungs­phase. Impfstoffe müssen aber drei Kriterien erfüllen:

    1. Sie müssen nachweisbar eine Immunantwort hervorrufen,
    2. eine Erkrankung vermeiden oder ihre Schwere mildern und
    3. gleichzeitig sicher sein, also nur mit einem vertretbaren Maß unerwünschter Ereignisse einhergehen.

    Hierfür sind aufgrund internationaler wissenschaftlicher Vereinbarungen und behördlicher Vorgaben kontrollierte Studien zwingend erforderlich. Es ist daher trotz aller Anstrengungen, die Zeit zwischen Entwicklung und klinischen Prüfungen zu verkürzen, unwahrscheinlich, dass noch bis Ende 2020 Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 zugelassen werden.

    Stand: 07.04.2020