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    Neue alte Therapien

    Gegen das Ebola-Virus hat Remdesivir 2018 und 2019 nicht die gewünschte Wirkung gezeigt. Bei der Blockierung von SARS-CoV-2 wird nun viel Hoffnung in das Medikament gesteckt.

    Remdesivir war als Medikament gegen das gefürchtete Ebola-Virus vorgesehen, zeigte in der klinischen Anwendung während des Ausbruchs im Kongo zwischen 2018 und November 2019 aber nicht die gewünschte Wirkung. Es blockiert ein entscheidendes Enzym (die sog. „RNA-Polymerase“) verschiedener Viren (so auch SARS-CoV-2) und verhindert so, dass sich diese überhaupt in menschlichen Zellen vermehren können. Die Substanz hat in dokumentierten Einzel­fällen zu einer Genesung bei schwersten Krankheits­verläufen geführt, so dass aufgrund des im Detail bekannten Wirk­mechanismus viel Hoffnung in diesen Therapie­ansatz gelegt wird.

    Wer noch vor der Jahr­tausend­wende die Malaria-Risikogebiete dieser Welt, insbesondere den Norden Südamerikas, Zentral- und südliches Afrika sowie Südostasien, bereist oder besucht hat, wird womöglich Chloroquin (Resochin®) als Malaria-Prophylaxe eingenommen haben. Da die meisten Malaria-Erreger (sog. Plasmodien) mittlerweile unempfindlich (resistent) gegenüber Chloroquin sind, wurden andere Substanzen zur Malaria-Prophylaxe empfohlen und die Produktion weltweit herunter­gefahren. Ebenso wie Remdesivir zeigt Chloroquin in der Zellkultur eine stark hemmende Wirkung gegen SARS-CoV-2. Neben den o.g. Untersuchungen hat auch die Universität Tübingen in diesen Tagen eine klinische Studie zur Wirksamkeit von Chloroquin bei Patienten mit COVID-19 initiiert.

    Hoffmann La-Roche startet unter Federführung des Nationalen Krebsinstituts (Istituto Nazionale Tumori, IRCCS, Fondazione G. Pascale) in Neapel im stark von der Pandemie betroffenen Italien mit der Anwendung eines Medikaments, welches für bestimmte Rheuma-Formen bei Erwachsenen und Kindern zugelassen ist (Tocilizumab, RoActemra®). Dieser Antikörper – erkennbar an der Endsilbe „mab“ – blockiert den Rezeptor für Interleukin-6 (IL-6). Interleukine regulieren, ebenso wie Interferone, Entzündungs­vorgänge im menschlichen Körper. IL-6 ist eine der wichtigsten körpereigenen Zucker-Eiweiß-Verbindungen, die akute Entzündungs­reaktionen steuert und das Orchester der verschiedenen Abwehr­zellen im Takt hält. 

    Fazit

    Sie merken, dass es bei der Therapie einer schweren Virusinfektion (insb. dann, wenn Sie zu einer Lungen­entzündung führt) darauf ankommt, das Immunsystem zu lenken. Einerseits darf es nicht zu gefährlichen überschießenden Entzündungs­reaktionen als Reaktion auf den Eindringling kommen, andererseits muss die Immunantwort klar und deutlich bleiben – Viren müssen eliminiert werden.

    (Stand: 31.03.2020)