Ivan Djashikov

In Ausnahme­situationen den Überblick behalten

Pflegefachmann Ivan Djashikov ist mit 31 Jahren pflegerischer Leiter der Zentralen Notaufnahme der BG Klinik Tübingen. Hier entscheiden oft Minuten über das Schicksal von Menschen. Ein Job, der Fachkenntnis, Nervenstärke und Organisations­talent voraussetzt. 

Das Kreischen der Kreissäge und ein Moment der Un­acht­sam­keit: Was als normaler Arbeitstag in einer Schreinerei begann, führt den Patienten in die BG Klinik Tübingen. Das Team der Zentralen Notaufnahme (ZNA) ist in Bereitschaft. Ivan Djashikov wirft einen kurzen Blick auf den Monitor, auf dem die Vital­parameter aller Patientinnen und Patienten in der ZNA aufleuchten. 

Der Mann in der Trage hat seinen rechten Zeigefinger verloren, glatt abgetrennt von der Säge. Die Chancen, seinen Finger zu retten, stehen auf den ersten Blick gut. Der amputierte Finger wurde fachgerecht gesichert, trocken und sauber auf Eis transportiert. Notarzt und Rettungsteam übergeben den Patienten, während sie gemeinsam Richtung ZNA gehen. Jeder Handgriff sitzt, alle wissen, was zu tun ist. „In der Notaufnahme muss man auch im Chaos vorankommen und klar bleiben“, sagt Ivan Djashikov später über Situationen wie diese. „Das passt zu mir.“

Mit klarem Ziel in die BG Klinik Tübingen 

Dass er einmal pflegerischer Leiter einer hochspezialisierten Notaufnahme werden würde, konnte Ivan Djashikov vor elf Jahren nicht ahnen. Damals, mit 20 Jahren, kam er aus Nordmazedonien nach Deutschland. „Ich wollte zwar medizinisch, aber auch mit Menschen arbeiten“, erinnert er sich. Deshalb entschied er sich für die Ausbildung zum Pflege­fach­mann.  

Bereits am zweiten Tag seiner Ausbildung im Klinikverbund Südwest wusste er, wo er hinwollte: in die Notaufnahme. „Da war mir sofort klar: Das ist mein Bereich.“

Nach seinem Examen arbeitete Djashikov zwei Jahre in einer interdisziplinären Notaufnahme, sammelte Erfahrung, lernte mit Extremsituationen umzugehen. Im Januar 2022 wechselte er an die BG Klinik Tübingen.

Ivan Djashikov
„Ich wollte mich unbedingt weiter­entwickeln, habe recher­chiert, wer welche Möglich­keiten bietet. Und die BG Kliniken sind der beste Ort dafür, weil hier so viel angeboten und unterstützt wird.“
Ivan Djashikov

Pflegerische Leitung Notaufnahme BG Klinik Tübingen

Förderung ab dem ersten Tag 

Was Ivan Djashikov meint, zeigt sich schnell: Bereits beim Vorstellungsgespräch wurde er gefragt, ob er sich vorstellen könnte, die Fachweiterbildung Notfallpflege zu absolvieren. Im September 2022 begann er die zweijährige berufsbegleitende Weiterbildung, bei der sich Schulblöcke mit Praxiseinsätzen in externen Kliniken abwechselten.  

Die Klinik stellte ihn bei vollem Grundgehalt frei und übernahm die Kosten für die Weiterbildung. Einzige Bedingung war, nach Abschluss mindestens zwei Jahre zu bleiben. Für Djashikov kein Problem. „Ich will auf jeden Fall hierbleiben. Die BG Klinik Tübingen ist wirklich ein guter Arbeitgeber.“

Die Fachweiterbildung Notfallpflege hat sein Verständnis für die Arbeit in der ZNA grundlegend erweitert. „Man lernt, auch mit komplexen Situationen umzugehen“, sagt der heute 31-Jährige. Kernthemen waren Ersteinschätzung und Triage, also die schnelle Bewertung, wie dringend eine Patientin oder ein Patient behandelt werden muss, sowie das Medikamentenmanagement. Sechs Personen aus dem Kollegium der ZNA haben die Weiterbildung bereits absolviert, vier weitere sind aktuell dabei, zwei beginnen im September. Eine Investition, die sich für die Patientinnen und Patienten und fürs Team auszahlt. 

Parallel absolvierte Djashikov von 2020 bis 2023 berufs­begleitend ein Fernstudium, B.A. Business Administration. Prozessmanagement und Projektsteuerung, was er dort lernte, hilft ihm heute bei seinen administrativen Aufgaben. 

Mit 29 Jahren pflegerischer Leiter 

Nach nur zwei Jahren in der BG Klinik Tübingen bewarb sich Ivan Djashikov um die vakant werdende Position der Pflegeleitung der Zentralen Notaufnahmen und bekam mit nur 29 Jahren die Stelle. Diese ist auch mit zahlreichen administrativen Aufgaben verbunden, doch Djashikov arbeitet weiterhin im Team als Pflegefachkraft mit. „Mir ist wichtig, mit vorn zu sein, nur so lernt man, bleibt dabei“, erklärt er seine Motivation. Jedoch nimmt er zunehmend Tagesdienste wahr, um seiner Leitungsfunktion gerecht zu werden. 

„Natürlich gibt es immer mal wieder Unterbrechungen für Termine oder Nachfragen“, stellt er fest. „Das finde ich in Ordnung. Mir ist es wichtig, für das Kollegenteam jederzeit ansprechbar zu sein.“ Drei bis vier Tage im Monat sind fest für administrative Tätigkeiten reserviert. 

Der Dienstplan als Führungs­instrument 

Eine seiner wichtigsten Aufgaben ist die Dienstplanerstellung. Sechs Wochen im Voraus erstellt er die Pläne für sein 27-köpfiges Team. Der Dienstplan muss durch den Betriebsrat geprüft und von der Pflegedirektion abgenommen werden, sodass er vier Wochen im Voraus feststeht. 

„Der Dienstplan ist ein wichtiges Tool für die Mitarbeiten­den­zufriedenheit“, sagt Djashikov. Dass diese im Team stimmt, zeigen die Zahlen: Mehrere Kolleginnen und Kollegen sind bereits über 25 Jahre in der ZNA. Die Hierarchien sind flach, die Pflege ist stark involviert. „Man kann auch seine Meinung sagen, wir sind hier wirklich auf Augenhöhe“, beschreibt er die Atmosphäre. 

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Wenn jede Minute zählt 

In der ZNA läuft die Erstversorgung des Patienten mit der Fingerverletzung auf Hochtouren. Die Handchirurgin ist schon da. Montags bis freitags zu den normalen Arbeitszeiten ist immer ein Arzt oder eine Ärztin aus der Handchirurgie in der ZNA präsent, außerhalb dieser Zeiten ist stets jemand im Haus und kann sofort gerufen werden. Zwei separate Räume nur für die Handchirurgie stehen zur Verfügung. Die Spezialisierung der BG Klinik Tübingen auf Unfallverletzte und Arbeitsverletzungen zeigt sich hier besonders deutlich. 

Während die Handchirurgin die Wunde inspiziert, laufen die pflegerischen Maßnahmen parallel: Vitalwerte erfassen, Verweilkanüle legen, Blutabnahme. Alle ziehen an einem Strang. Zeit ist bei einer Amputationsverletzung der entscheidende Faktor, es sollte schnellstmöglich versucht werden, den Finger wieder anzunähen. 

Der Patient wird direkt für den OP vorbereitet. Solche Situationen sind typisch für die ZNA einer hochspezialisierten Klinik der Maximalversorgung. „Man kann sich nicht vorbereiten, jeder Tag ist anders, man weiß nie, was passiert“, sagt Ivan Djashikov. Genau das macht die Arbeit für ihn so reizvoll. 

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„Ich arbeite gern medizinisch, finde mich in unbekannte Situationen schnell ein und behalte einen kühlen Kopf.“
Ivan Djashikov

 

Erstversorger für die gesamte Region 

Als Schwerpunktklinik der Maximalversorgung stellt die BG Klinik Tübingen die Behandlung schwerverletzter Menschen im gesamten württembergischen Raum sicher. Die Kern­kompeten­zen liegen in der Unfall- und Wieder­herstellungs­chirurgie, in der Wirbel­säulen­chirurgie sowie in der Hand-, Plastischen-, Rekonstruk­tiven und Verbrennungs­chirurgie. Entsprechend professionell ist die Zentrale Notaufnahme aufgestellt.  

Häufig werden Verletzte aus anderen Krankenhäusern hierher verlegt, wenn eine hochspezialisierte Versorgung benötigt wird. Alle Verlegungen laufen über die ZNA, dort wird eingeschätzt, was die Verletzten jetzt brauchen. Im Schnitt bleiben sie nur 2,5 bis 3 Stunden in der Notaufnahme. Ab 15 Uhr übernimmt die ZNA zusätzlich das Bettenmanagement für das gesamte Haus. 

Wissen weitergeben und selbst weiterlernen 

Ivan Djashikov ruht sich nicht auf dem Erreichten aus. „Ich möchte immer etwas Neues lernen, mich weiterentwickeln“, sagt er. Aktuell plant er zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Fachbereichen die „BG Tage“ im Rahmen der Fachweiterbildung Notfallpflege. An bestimmten Tagen sollen Fortbildungen gegeben und Einblicke in die (Erst-)Versorgung verschiedener Verletzungen vermittelt werden. 

„Wir stellen beispielhafte Fälle vor, geben Knowhow weiter: Was muss getan werden? Davon profitieren alle“, erklärt er das Konzept. Spezialisiertes Wissen, das in der BG Klinik Tübingen vorhanden ist, soll strukturiert weitergegeben und die Versorgungsqualität kontinuierlich verbessert werden. 

Der Gedanke des geteilten Wissens prägt auch die strategische Ausrichtung der BG Klinik Tübingen. Im September 2026 startet am Standort eine staatlich anerkannte Pflegeakademie, die Ausbildung und klinische Praxis direkt miteinander verbindet.  

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    Ivan Djashikov ist pflegerischer Leiter der hochspezialisierten Notaufnahme an der BG Klinik Tübingen.

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Wenn die Hand wieder funktioniert 

Der Patient mit der Fingerverletzung wird wenige Stunden später aus dem OP kommen und auf Station verlegt. Ob die Replanta­tion erfolgreich war, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Für Djashikov und sein Team in der ZNA ist es ein Tag wie viele andere und doch jedes Mal wieder besonders. 

„In der ZNA läuft nichts nach Schema F“, sagt er. „Jeder Fall ist anders. Man muss flexibel sein, schnell denken, im Team arbeiten.“ Genau diese Mischung aus Medizin, Menschlichkeit und Tempo macht für ihn den Reiz aus. 

Seit sechs Jahren ist Ivan Djashikov im Beruf, seit 2022 in der BG Klinik Tübingen, seit zwei Jahren in Leitungsfunktion. Mit 31 hat er schon viel erreicht und es soll noch weitergehen: „Die Förderung durch den Arbeitgeber, die Fortbildungen, die Frei­stellungen, das ist nicht selbstverständlich. Hier wird in die Mitarbeiter investiert.“

Als der Monitor am Pflegestützpunkt einen neuen Alarm anzeigt, ist Ivan Djashikov schon wieder auf dem Weg. Ein Motorrad­unfall, Einlieferung per Rettungswagen in wenigen Minuten. Die Arbeit in der Zentralen Notaufnahme geht weiter.