Periprothetische Infektion

Eine Entzündung (Infektion) nach Einbau einer Endoprothese tritt glücklicherweise nur selten auf, stellt aber die am meisten gefürchtete Komplikation dar.

Ihre Beherrschung ist zeitaufwendig, kostenintensiv und gelingt nur einem erfahrenen Team. Abhängig vom Ausgangsbefund kommen verschiedene Behandlungsansätze in Frage:

  • Erhaltungsversuch der Prothese
  • Ein- / zweizeitigeWechseloperation
  • Individuell angefertigte Sonderprothese
  • Beschichtete Implantate

oder

  • Dauerdrainage
  • Gelenkresektionsarthroplastik
  • Gelenkversteifung, Arthrodese
  • Amputation

Therapie- und Operationsverfahren

Ein Versuch, die Endoprothese zu erhalten, ist bei einem Frühinfekt innerhalb von vier Wochen nach der Implantation sinnvoll. Die Erfolgsraten liegen dann bei ca. 50 Prozent. Besteht die Infektion länger, scheitert der Erhaltungsversuch oder lockert sich die Endoprothese, muss sie entfernt werden, um den Infekt zu beherrschen.

Bei günstigen Voraussetzungen in Bezug auf Knochendefekt, Begleiterkrankungen, Keimart und -resistenz gilt der sogenannte zweizeitige Wechsel (Wechsel in zwei operativen Phasen) mit einer Langzeitantibiotika-Therapie in der prothesenfreien Zeitspanne als Standard. Selten werden bei speziellen Voraussetzungen sogenannte einzeitige Wechsel durchgeführt.

Beim zweizeitigen Wechsel erfolgt zunächst der Ausbau der infizierten Endoprothese sowie gegebenenfalls weiterer Fremdkörper wie Knochenzement und die Entfernung entzündeten, abgestorbenen Gewebes (Débridement). Meist schließen sich Wundspülungen, Drainagen-Einlagen an. Abhängig von der Lage und dem Defekt- und Stabilitätszustand des Knochens kommen unter Umständen auch ein Platzhalter oder lokale Antibiotika-Träger zum Einsatz. Eine systemische Antibiotikatherapie über sechs Wochen schließt sich an.

Bei klinischen und laborchemischen Zeichen der Infektberuhigung kann dann oftmals im zeitlichen Abstand der Einbau einer neuen Endoprothese erfolgen. Zum Einsatz kommen dann Revisionsendoprothesen, häufig modulare Implantate, die vorzugsweise zementfrei verankert werden.

Bei nicht wiederherstellbarer Gelenkfunktion kommen, abhängig von der Einzelsituation, alternative Verfahren wie eine ersatzlose Gelenkentfernung, Gelenkversteifung, leider manchmal auch am Ende Amputationen infrage.

Auch bei schwersterkrankten Patientinnen und Patienten, denen eine Maximaltherapie nicht zuzumuten ist, stehen schmerzlindernde (palliative) Behandlungsalternativen zur Verfügung

Verfügbar an den Standorten

Alle Beiträge

Aus unserem Ratgeber