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    Ivermectin

    Ivermectin wirkt und ist zugelassen gegen Infektionen durch Läuse, Milben, Zecken und Würmer - laborexperimentell auch gegen das SARS-CoV-2-Virus. Die klinische Wirksamkeit der Substanz im COVID-19-Szenario ist unklar.
     

    Seit Beginn der COVID-19-Pandemie wurden zahlreiche Arzneimittel, welche für die Bekämpfung von Viren, Retroviren, Bakterien, Parasiten und anderer Krankheitserreger entwickelt und zugelassen wurden, ebenso wie verschiedene entzündungshemmende und immunmodulierende Wirkstoffe und Antikörper, für die Prophylaxe und Therapie von Infektionen und schwerer Verläufe in klinischen Studien geprüft. 

    Ivermectin wurde als antiparasitär wirksame Substanz 1987 zugelassen und erwies sich als segensreich gegen die durch den Fadenwurm Onchocerca volvulus hervorgerufene Flussblindheit. Für die Entwicklung der Substanz erhielten William C. Campbell und Satoshi Ōmura 2015 den Nobelpreis für Medizin.

    Experimentell verhindert Ivermectin (in einfacher Form) auch die Passage des SARS-CoV-Virus durch die Zellmembran und dessen Eintritt in den Zellkern. Dies macht dieses bewährte Pharmakon, neben allen derzeit mittels künstlicher Intelligenz identifizierter Wirkstoffe, zu einem potenziellen Kandidaten für klinische Prüfungen.

    Das in Cali, Kolumbien, durchgeführte EPIC Trial (Estudio Para Evaluar la Ivermectina en COVID-19) schloss erwachsene Patientinnen und Patienten ≥18 Jahre mit PCR- oder Antigen-Test-bestätigter SARS-CoV-2-Infektion und milder Symptomatik ein (JAMA).

    Geeignete Teilnehmende erhielten (ambulant oder stationär) per Zufall oral entweder Ivermectin (300 μg / kg Körpergewicht, n=200) oder Placebo (n=198) über fünf Tage. Das durchschnittliche Alter betrug 37 Jahre, das Verhältnis von Männern zu Frauen 40 zu 60 %. Jeder fünfte Teilnehmende war adipös.
    Die mediane Zeit bis zur klinischen Erholung unterschied sich zwischen Ivermectin- und Placebo-Gruppe nicht (10 versus 12 Tage). Auch die Häufigkeit einer Symptomverschlechterung um ≥2 Punkte auf einer 8-Punkte-Skala war unter Ivermectin (4 / 200, 2,0 %) und Placebo (7 / 198, 3,5 %) vergleichbar. In den Gruppen wurden kein bzw. ein Todesfall beobachtet. 

    Eine Ende 2020 publizierte Meta-Analyse suggeriert eine niedrigere COVID-19-Sterblichkeit unter Ivermectin im Vergleich zu verschiedenen Kontrollinterventionen (Journal of Pharmacy & Pharmaceutical Sciences). Die Ergebnisse des EPIC-Trial wurden für diesen Newsletter in die Nachberechnung aufgenommen (Abbildung 1). Die Ergebnisse sind wissenschaftlich nicht belastbar - so beruht beispielsweise die US-amerikanische Studie mit dem größten Therapieeffekt auf Beobachtungsdaten, auch wenn eine quasi-experimentelle Angleichung von Ausgangsrisiken mittels sogenanntem Propensity-Score Matching durchgeführt wurde (Chest Journal). 

    Das in Bagdad, Irak, durchgeführte RCT wiederum verglich eine Kombinationstherapie aus Ivermectin plus Doxycyclin (einem häufig verschriebenen Tetracyclin-Antibiotikum) mit einer Standardbehandlung, so dass keine Aussage über die Wirksamkeit einer alleinigen Ivermectin-Gabe getroffen werden darf (medRxiv).

    Fazit

    Zum jetzigen Zeitpunkt existieren keine robusten Daten, welche die Therapie von COVID-19 mittels Ivermectin stützen würden. Eine endgültige Aussage könnte nur durch eine randomisierte, placebokontrollierte Studie mit hoher Fallzahl getroffen werden.

    Stand: 18.03.2021

    <p>Abb. 1<br /> Nachberechnete Ergebnisse der Meta-Analyse von Padhy et al. (<a href="https://journals.library.ualberta.ca/jpps/index.php/JPPS/article/view/31457">Journal of Pharmacy &amp; Pharmaceutical Sciences</a>)&nbsp;unter Einbeziehung des EPIC-Trial (<a href="https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2777389">JAMA</a>).</p>

    Abb. 1
    Nachberechnete Ergebnisse der Meta-Analyse von Padhy et al. (Journal of Pharmacy & Pharmaceutical Sciences) unter Einbeziehung des EPIC-Trial (JAMA).