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    Passive Immunisierung mit Rekonvaleszenten-Plasma

    Eine argentinische placebokontrollierte Studie untersuchte die Wirksamkeit einer passiven Immunisierung bei Frühsymptomen einer SARS-CoV-2-Infektion mit Rekonvaleszenten-Plasma.
     


    Wir hatten hier bereits mehrfach über eine passive Immunisierung, z.B. mit Rekonvaleszenten-Plasma oder aber synthetischen Antikörper-Präparaten LY-CoV555 (Eli Lilly), zur Verhinderung schwerer COVID-19-Verläufe berichtet. Es muss unterstrichen werden, dass die therapeutische Gabe von Antikörpern bei einer SARS-CoV-2-Infektion nicht zu einer Immunität, sondern nur zu einer Senkung der Viruslast oder Auslöschung (Neutralisierung) des Virus führt. Im Idealfall können hierdurch schwere Krankheitsverläufe abgewendet werden. 


    In einer doppelt-verblindeten randomisierten Studie in Argentinien erhielten Patientinnen und Patienten über 65 Jahre innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten milder Symptome einer SARS-CoV-2-Infektion per Zufall entweder 250 ml Spender-Plasma mit einer hohen Konzentration von IgG-Antikörpern gegen das Spike-Protein oder eine Kochsalz-Placebo-Infusion (The New England Journal of Medicine). Primärer Endpunkt war das Auftreten einer schweren Atemwegserkrankung (definiert als Atemfrequenz >30 / min, Sauerstoffsättigung <93 % unter Raumluftatmung) innerhalb von zwei Wochen nach Studieneinschluss.

    Das mittlere Alter der 160 Studienteilnehmenden betrug 77 Jahre, zwei Drittel waren Frauen. Schwere Atemwegserkrankungen entwickelten 13 / 80 (16 %) in der Plasma- und 25 / 80 (31 %) in der Placebo-Gruppe. Abbildung 1 zeigt die zeitabhängige Ereignisrate. 

    Gemäß der Risikodifferenz von 15 % (95 % Konfidenzintervall [KI] 2 – 28 %) zugunsten der Plasma-Gruppe müssten etwa sieben Patientinnen und Patienten mit Frühsymptomen einer SARS-CoV-2-Infektion mit Konvaleszenten-Plasma statt mit Placebo behandelt werden, um eine zusätzliche schwere Atemwegserkrankung zu vermeiden. Es bestand eine deutliche Dosis-Wirkungsbeziehung: Die Ereignisraten unter Plasma mit einem Antikörper-Gehalt ober- und unterhalb eines Titers von 1 : 3.200 betrugen 3 / 36 (8 %) bzw. 9 / 42 (21 %).

    <p>Abb.1</p>
<p>Zeitpunkt bis zum Auftreten schwerer Atemwegserkrankungen unter Konvaleszenten-Plasma oder Placebo. Nach <a href="https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2033700">The&nbsp;New England Journal of Medicine</a>.</p>

    Abb.1

    Zeitpunkt bis zum Auftreten schwerer Atemwegserkrankungen unter Konvaleszenten-Plasma oder Placebo. Nach The New England Journal of Medicine.

    Fazit

    Bei über 65-jährigen Patientinnen und Patienten mit ersten Symptomen einer SARS-CoV-2-Infektion könnte die frühe Gabe von Konvaleszenten-Plasma mit hohem Antikörper-Gehalt (Titer >1 : 3.200) das Risiko für schwere Atemwegserkrankungen reduzieren.

    Stand: 22.01.2021