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    Post-COVID-19-Syndrom

    Das Post-COVID-19-Syndrom stellt ein eigenständiges, spezifisches, dabei heterogenes Krankheitsbild mit nachhaltigen neurologischen und generellen physischen Gesundheitseinschränkungen dar. 

    Sowohl das JAMA als auch der Lancet widmeten sich in ihren aktuellen Ausgaben den Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung.

    Zwischen dem 15.04.2020 und 08.05.2020 wurde Vertreterinnen und Vertretern der Gesundheitsberufe des Danderyd Hospital, Stockholm, einem der größten Krankenhäuser Schwedens, die Teilnahme an einer Untersuchung zur Häufigkeit und möglichen Folgen einer milden COVID-19-Erkrankung angeboten (JAMA).

    Vier und acht Monate nach Studieneinschluss wurde Blut zur Bestimmung von SARS-CoV-2-Anti-Spike-IgG entnommen und die Ausprägung von 23 Gesundheitsstörungen in verschiedenen beruflichen und sozialen Domänen mittels Sheehan Disability Scale (0: keine Einschränkungen, 1 – 3: geringe Einschränkungen, 4 – 6: mäßige Einschränkungen, 7 – 10: starke Einschränkungen) per Smartphone-App erhoben.

    Von 2.149 Teilnehmenden wurden 50 wegen schwerer Symptome, 404 wegen einer Serokonversion während der Nachuntersuchung und 300 wegen vorzeitigen Ausscheidens aus der Studie ausgeschlossen. Von den übrigen 1.395 wiesen knapp ein Viertel (323) Antikörper gegen das SARS-CoV-2 Spike-Protein auf. Diese zeigten eine deutlich höhere Prävalenz von Symptomen mit geringen (26 versus 9 %), mäßigen (21  versus 7 %) und starken (15 versus 3 %) Einschränkungen im Alltag (Abbildung 1).

    Forscher der Universität Oxford werteten Daten des TriNetX Analytics Network aus, einer Datenbank anonymisierter elektronischer Gesundheitsdaten von 81 Millionen Patientinnen und Patienten aus 62, vorrangig US-amerikanischen Gesundheitsorganisationen (The Lancet).

    Eingeschlossen wurden Daten von 236.379 COVID-19-Erkrankten, von denen jeder Fünfte stationär und jeder 26. wiederum intensivmedizinisch behandelt wurde. Das mittlere Alter betrug 46 Jahre, das Verhältnis von Frauen zu Männern 56 % zu 44 %. Nebenerkrankungen umfassten u.a. Übergewicht bzw. Fettleibigkeit (18 %), Bluthochdruck (30 %), Diabetes mellitus (16 %), Asthma (11 %), ischämische und andere Herzerkrankungen (9 bzw. 18 %) und Malignome (19 %). 7 % waren Raucher.
    Die kumulative Häufigkeit wichtiger neuropsychiatrischer Folgeerkrankungen sechs Monate nach COVID-19-Diagnose reichte von 0,6 bis 17,4 % und war bei stationär bzw. intensivmedizinisch Behandelten deutlich höher (Abbildung 2).
    In einer Propensity-Score gematchten Kohorte (diese statistische Methode zur quasi-experimentellen Angleichung des Risikoprofils hatten wir bereits in vorangegangenen Newslettern erläutert) von je 105.579 Erkrankten war das zeitabhängige relative Risiko (Hazard Ratio) für verschiedene Langzeitfolgen nach COVID-19 zwischen 1,27 und 2,44 höher als nach einer echten Grippe (Influenza) (Abbildung 3).

    Fazit

    Zwischen sechs und acht Monaten nach einer COVID-19-Erkrankung können auch nach mildem Verlauf anhaltende Gesundheitsstörungen im Sinne eines Post-COVID-19-Syndroms vorhanden sein. SARS-CoV-2 ist im Vergleich zur Influenza mit höheren relativen Risiken für neuropsychiatrische Folgeerkrankungen assoziiert.

    Stand: 16.04.2021
     

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      Abbildung 1

      Relatives Risiko (Risk Ratio) für zehn häufige Gesundheitsstörungen in Abhängigkeit vom Antikörpernachweis gegen SARS-CoV-2. Berechnet auf der Basis der Daten von Havervall et al. (JAMA)

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      Abbildung 2

      Absolute, kumulative Häufigkeiten neurologisch-psychiatrischer Folgen einer COVID-19-Erkrankung innerhalb von sechs Monaten nach Infektion. Nach Taquet et al. (The Lancet). Aufgrund der großen Stichprobe (n=236379) wurde bewusst auf die Darstellung der engen 95 % Konfidenzintervalle verzichtet.

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      Abbildung 3

      Zeitabhängiges relatives Risiko (Hazard Ratio) für neurologisch-psychiatrische Folgen einer COVID-19-Erkrankung innerhalb von sechs Monaten nach Infektion im Vergleich zu einer Influenza. Nach Taquet et al. (The Lancet).