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    Tocilizumab

    Der monoklonale Antikörper Tocilizumab gegen den Interleukin-6-Rezeptor stellt eine mögliche Therapieoption zur Vermeidung überschießender Entzündungsreaktionen bei COVID-19-Pneumonien dar.

    Eine wesentliche Ursache für tödliche Verläufe einer Pneumonie (Lungenentzündung) im Zuge einer COVID-19-Erkrankung sind überschießende Entzündungs- und Autoimmunreaktionen (sogenannte SIRS, „systemic inflammatory response syndrome“). Wir hatten hier bereits einige biologische Grundlagen und auch die therapeutische Beeinflussung durch cortisolähnliche, entzündungsdämpfende Medikamente (Glucocorticoide) wie Dexamethason dargestellt. Entzündungen werden u.a. durch körpereigene Botenstoffe wie sogenannte pro-inflammatorische Interleukine wie Interleukin 6 (IL-6) angestoßen. Der monoklonale Antikörper gegen den IL-6-Rezeptor Tocilizumab (RoActemra®, Hoffmann-La Roche) wird u.a. zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis eingesetzt und zeigte in Beobachtungsstudien auch günstige Effekte bei COVID-19-Pneumonien.

    In der placebokontrollierten EMPACTA (Evaluating Minority Patients with Actemra) Studie wurden in den USA, in Peru, Mexiko, Brasilien, Kenia und Südafrika 389 nicht-beatmete Patientinnen und Patienten ≥ 18 Jahre mit COVID-19-Pneumonie und einer Sauerstoffsättigung <94 % unter Raumluftatmung per Zufall in einem 2 : 1 Verhältnis Tocilizumab (8 mg / kg Körpergewicht, ein oder zwei Dosen) oder Placebo zugeteilt (The New England Journal of Medicine). Alle Teilnehmenden wurden zudem nach örtlich üblichen Standards behandelt. In der Tocilizumab-Gruppe erhielten 80 bzw. 53 % Glucocorticoide, in der Placebo-Gruppe 88 bzw. 59 %. Nach 28 Tagen waren 29 / 249 (12 %) mit Tocilizumab und 24 / 128 (19 %) mit Placebo Behandelte mechanisch beatmet oder verstorben (Risikodifferenz [RD] 7 %, 95 % Konfidenzintervall [KI] 0 – 15%). 

    Die Wirksamkeit wurde praktisch ausschließlich in der Hispano-amerikanischen Population beobachtet (19 / 143 [13 %] versus 19 / 68 [28 %]), RD 15 % [95 % KI 3 – 27 %]). Bei der Minderheit der kaukasischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigte sich tendenziell hingegen ein ungünstigerer Effekt einer Tocilizumab-Therapie gegenüber Placebo im Hinblick auf den Endpunkt Beatmung und / oder Versterben (4 / 28 [14 %] versus 0 / 20 [0 %]). Diese wesentliche Information lässt sich jedoch erst aus der Analyse des elektronischen Appendix zum Hauptartikel gewinnen (The New England Journal of Medicine). Auch die Überlebenswahrscheinlichkeit wurde durch Tocilizumab nicht beeinflusst. Westeuropäische, insbesondere deutsche Therapieempfehlungen dürften somit durch die Studienergebnisse keine Änderung erfahren.

    Fazit

    Das Beispiel von Tocilizumab verdeutlicht, dass mögliche therapeutische Optionen bei COVID-19 personalisiert bzw. stratifiziert verfolgt werden sollten. Der ethnische Hintergrund und die damit verbundene genetische Ausstattung scheint eine wichtige Rolle zu spielen, ob und wie eine bestimmte Therapie den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung bzw. -Pneumonie beeinflusst. 

    Stand: 13.01.2021