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Hand beim Zug mit einer Spielfigur

Wenn der Zeh zum Daumen wird

Zehentransfer statt Prothese: In der Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie der BG Klinik Ludwigshafen wird ein verlorener Daumen rekonstruiert.

Es ist Sommer im August 2020, als Elia W. im Garten seiner Eltern eine Bank bauen möchte. Dafür will der damals 19-Jährige ein Holzbrett zuschneiden, nutzt dazu die Handkreissäge, die sich vorne verklemmt. Noch bevor Elia W. das bemerkt, löst sie sich ruckartig wieder: Sie landet mit einem Sprung nach hinten auf seinem linken Daumen und trennt diesen ab.  

Schreiend rennt er ins Haus, seine Mutter fixiert die stark blutende Wunde und fährt ihren Sohn rasch ins Krankenhaus. Auf dem Weg dorthin tröstet sich Elia W. noch mit der aussichtsreichen Statistik der Daumen, die im Fall eines Unfalls problemlos wieder angenäht werden können. Die Familie hat Besuch, der geistesgegenwärtig in den Garten rennt, den abgetrennten Daumen sucht und nachträglich ins Krankenhaus bringt.  

Auf der Suche nach der passenden Behandlungsmethode  

Trotz rascher Versorgung ist dann doch schnell klar, dass es nicht möglich sein wird, den eigenen Daumen wieder dauerhaft mit dem Rest seiner Hand zu verbinden. Eine Nachricht, die Elia W. schwer trifft. Der junge Mann steht kurz vor seinem Abitur, hat Studienpläne und ist ab sofort massiv in seiner Bewegung und somit seinem Alltag eingeschränkt. Etwas Tragen, etwas Greifen - all das ist nun nicht mehr möglich. 

Bei der ersten Unfall-OP wird der Daumenstumpf von Elia W. in seine Bauchdecke eingenäht, um die weitere Versorgung zu gewährleisten und verbleibt dort für ungefähr sechs Wochen. Ihn ereilt das erste emotionale Tief, von da an geht es immer mal wieder bergauf und manchmal eben auch etwas bergab. 

Doch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte aus der Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie der BG Klinik Ludwigshafen können ihm gleich drei Lösungsvorschläge anbieten. Letztendlich entscheidet sich Elia W. für den Zehentransfer und gegen eine starre Prothese. Sein eigener Zeh soll ihm als sein zukünftiger „Ersatzdaumen“ transplantiert werden. 

Elia W. muss dafür insgesamt fünf Mal operiert werden. Er bekommt zunächst die Lappenplastik, die dann verkürzt werden muss. Außerdem werden Drähte entfernt und dann erfolgt natürlich der eigentliche Transfer seines Zehs an die Hand. Für die Zukunft steht noch eine kleine Korrektur-OP an, bei der ihm Überreste der Lappenplastik entfernt werden.  

Als mikrochirurgisches Replantationszentrum ist ein solcher Eingriff für das medizinische Personal der Klinik eine sichere Möglichkeit, einen verlorenen Daumen wieder zu rekonstruieren. Dennoch findet ein Zehentransfer eher selten statt, da die meisten amputierten Daumen erfolgreich replantiert werden können. 

Ein optimistischer Blick in die Zukunft 

Mittlerweile hat Elia W. im Mai 2021 sein Abitur erfolgreich abgeschlossen. Er kann in den nächsten Monaten sein Studium im Bereich Robotik aufnehmen. Jetzt hat er auch wieder Kraft im „neuen“ Daumen aufgebaut und kann diesen deutlich mehr bewegen. Fast alles wird ihm in ein paar Jahren, dank der Arbeit der Chirurginnen und Chirurgen, wieder möglich sein. Abgesehen von den medizinischen Möglichkeiten, waren  aber in erster Linie die direkten, persönlichen Kontakte mit dem Pflegepersonal, seinen Freunden daheim und natürlich seiner Familie von großer Bedeutung. Abgesehen von den stetigen sichtbaren Fortschritten, war dieser motivierende Rückhalt für ihn das Wichtigste. 

Prof. Dr. Leila Harhaus blickt zuversichtlich in die Zukunft von Elia W.: „Nachdem die knöcherne Verbindung zwischen dem ehemaligen Zeh und der Hand nun fest verheilt ist und Kraft und Beweglichkeit trainiert sind, kann Elia den neuen Daumen nun dauerhaft uneingeschränkt nutzen. Weitere Eingriffe oder Kontrollen sind nicht mehr erforderlich – somit kann er sich wieder voller Elan seinen Plänen und seiner Zukunft zuwenden.“  

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