Iva Boes (links) reitet wieder. (Bild: Iva und Marc Boes)Iva Boes (links) reitet wieder. (Bild: Iva und Marc Boes)

Mit eisernem Willen und allen geeigneten Mitteln

Duisburg, 20.12.2022: „Wenn es jemand schafft, dann meine Frau. Sie ist von Natur aus eine große Kämpferin“, sagt Marc Boes und sieht seine Iva an, stolz und liebevoll zugleich. Doch es war ein harter Weg zurück ins Leben. 2018 – nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma infolge eines Reitunfalls – war sie orientierungslos, ans Bett gefesselt, hilflos wie ein Kleinkind. Heute, viereinhalb Jahre später, ist Iva Boes wieder mittendrin im Alltag. Sie kann sogar wieder selbstständig reiten. Möglich gemacht hat dies eine maßgeschneiderte Behandlung im BG Klinikum Duisburg und ihr eiserner Wille.

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20.12.2022

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Dieter Lohmann

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 Wie es am 20. März 2018 zum Reitunfall der damals 40 Jahre alten Iva Boes kam, weiß keiner so genau. Als Marc Boes in die Longierhalle in Willich zurückkam, lag seine Frau bewusstlos am Boden und wurde schon von einer Helferin betreut. Zur Unglücksursache konnte diese jedoch auch keine Auskunft geben. Der eilig herbeigerufene Notarzt diagnostizierte schwerste Verletzungen: Schädel-Hirn-Trauma, innere Blutungen, ein Knochenbruch und vieles andere mehr. 

Letzte Hoffnung: BG Klinikum Duisburg

Nach der Akutbehandlung in verschiedenen Krefelder und Duisburger Kliniken kam Boes im September 2018 schließlich dauerhaft zu den Spezialistinnen und Spezialisten der Klinik für Neurologie und Psychotraumatologie im BG Klinikum Duisburg. „Ihr Gesundheitszustand war noch immer besorgniserregend,“ sagt Oberärztin Dr. med. Markella Markou, die die Patientin vom ersten Tag an mitbetreut hat. Boes lag einige Zeit in einer Art Wachkoma, war danach orientierungslos. Sie konnte nicht selbständig essen, nicht richtig sprechen, nicht laufen, kein Wasser lassen, die rechte Körperhälfte nicht wahrnehmen. Boes hatte spastische Lähmungen besonders im Arm, Schluck- und Wundheilungsstörungen. 

„Das erste, an das ich mich nach dem Unfall wirklich erinnern kann, ist das Bett im BG Klinikum Duisburg“, meint Boes rückblickend. „Ich war in der Zeit fast jeden Tag hier, oft mehrmals“, sagt Marc Boes. „Sprechen, anfassen, fühlen: Das Umfeld ist sehr wichtig für Patientinnen und Patienten wie meine Frau.“ 

Maßgeschneiderte Behandlung und Therapie

Genau wie das umfangreiche Diagnostik-, Behandlungs- und Therapiepaket, dass das interdisziplinäre Team um Dr. med. Susann Seddigh, Chefärztin der Klinik, und Markella Markou für Iva Boes in der Neuro-Rehabilitation schnürte – getreu dem Motto der BG Klinik „mit allen geeigneten Mitteln zurück in Beruf und Alltag“. Dazu gehörten beispielsweise MRT- und CT-Untersuchungen des Kopfes und anderer Körperteile, eine intensive Schmerztherapie, Schluck- und Sprachförderung und, ganz wichtig, Physio- und Ergotherapie. 

Oft haben die hochqualifizierten Fachkräfte aus den Bereichen Physio-, Ergo- und Logotherapie sowie Neuropsychologie sogar zeitgleich Hand in Hand mit Iva Boes gearbeitet. „Dies hat meines Erachtens nach eine wichtige Rolle bei der Genesung gespielt“, erklärt Markou. Um die Spastiken im Arm zu lösen, erhielt Boes darüber hinaus regelmäßig Botoxinjektionen durch Dr. med. Detlev Schneider, den stellvertretenden Chefarzt der Klinik. 

Schon bald erste Erfolge

„Dies alles zeigte Wirkung“, freut sich Markou. Im April 2019 konnte Boes an guten Tagen bereits Fragen mit drei bis fünf Worten beantworten. „Beeindruckend war zu dem Zeitpunkt, dass sie die kurzen Sätze in verschiedenen Sprachen – deutsch, englisch, französisch und ihre Heimatsprache kroatisch – sagte“. Langsam aber sicher kehrte durch die intensive Therapie auch das Erinnerungs- und Sprachvermögen zurück und es gelang ihr auch schon kurze Zeit frei zu sitzen. „Mein Herzenswunsch war damals schon, wieder reiten zu können“, meint Boes über diese Phase ihrer Rehabilitation. Das war für sie Ansporn und Herausforderung zugleich. 

Einen anderen Pluspunkt von Boes nennt Markou: „Eine Besserung nach solchen Unfällen ist nur dann möglich, wenn die Patientin bzw. der Patient mitmacht. Boes wollte – unbedingt“. Im Januar 2020 war sie dann gesundheitlich soweit wiederhergestellt, dass sie nach Hause entlassen werden konnte. 

Ambulante Behandlung geht weiter

Seddigh und Markou hatten in Zusammenarbeit mit der zuständigen Berufsgenossenschaft schon die ambulante Weiterbehandlung auf den Weg gebracht.  Dazu gehörten neuropsychologische Maßnahmen wie kognitives Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstraining, aber auch Physio- und Ergotherapie am Heimatort. Sogar eine ambulante Hippotherapie und mehrere Wiederholungsrehabilitationen bekam Boes auf Empfehlung von Markou bewilligt. Die Therapeutinnen und Therapeuten der Unfallklinik haben zudem zusammen mit der zuständigen Reha-Managerin vor der Entlassung die neue Wohnung des Ehepaares Boes vor Ort besichtigt. „Nur so war es möglich die geeigneten Hilfsmittel auszuwählen und zu verordnen“, meint Markou.

Alle drei oder vier Monate kommt Boes seitdem in die Sprechstunde „ihrer“ Oberärztin im BG Klinikum Duisburg. Dann wird die ambulante Behandlung kontrolliert und – wenn nötig – angepasst oder ergänzt. Es geht aber auch darum, die Medikation zu optimieren und mögliche Probleme im Heilungs- bzw. Rehabilitationsprozess rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls gegenzusteuern. Mittlerweile ist Iva Boes allseits orientiert, kann jederzeit alleine Gespräche führen, versteht Humor. Sie kann mit einem Rollator gehen, sich mit Unterstützung weitgehend selbst versorgen und beispielsweise duschen. Nur Autofahren ist (noch) nicht möglich, da das Gesichtsfeld eingeschränkt ist. Dafür reitet sie fünf bis sechs Mal in der Woche und traut sich dabei mit ihrem Pferd auch schon wieder an leichte Hindernisse heran.

Die Erfolgsgeschichte geht weiter

„Angesichts der schweren (Kopf-)Verletzungen und der vielen Komplikationen war es für uns alle zu Beginn schwer vorstellbar, dass Iva den aktuellen Zustand wieder erreichen kann“, meint Markou. „Die interdisziplinäre Behandlung im Hause und der stark unterstützende Ehemann haben entscheidend zu dieser erstaunlichen Besserung beigetragen.“ Doch die Boessche Erfolgsgeschichte ist damit noch nicht zu Ende. Ihre nächsten Ziele sind klar: den Rollator „in die Ecke stellen“ und nur noch am Gehstock laufen. Sie will aber auch lernen, alle alltäglichen Aktivitäten ohne jede Hilfe zu schaffen. 

Boes wünscht sich zudem, dass sie mit ihrem Willen und ihren Erfolgen anderen Patientinnen und Patienten Hoffnung geben kann: „Auch nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma ist oft noch vieles möglich.“ Auf die Zeit im BG Klinikum Duisburg blicken Iva und Marc Boes dankbar zurück: „Wir lassen nichts auf die Unfallklinik kommen!“ Das Team um Seddigh und die Therapeutinnen sei für sie fast wie eine Familie. „Hier ist mein zweites Zuhause“, so Boes abschließend.

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    Iva Boes (links) reitet wieder. (Bild: Iva und Marc Boes)

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    Therapie Hand in Hand nach dem Reitunfall. (Bild: BG Klinikum Duisburg)

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    Eiserner Wille: Iva und Marc Boes. (Bild: BG Klinikum Duisburg)

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    Oberärztin Dr. med. Markella Markou und das Ehepaar Boes. (Bild: BG Klinikum Duisburg)

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    Iva Boes im Gespräch mit der Therapeutin. (Bild: BG Klinikum Duisburg)

Pressemitteilung „Mit eisernem Willen und allen geeigneten Mitteln“