
Herbert-Lauterbach-Preis für neues VR-Training
Der mit 15.000 Euro dotierte Herbert-Lauterbach-Preis der BG Kliniken geht in diesem Jahr an Dr. med. scient. Cosima Prahm.
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22.10.2026Die Leiterin des Zentrums für klinische Forschung und des Zentrums für Bionik am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin wurde für eine Studie ausgezeichnet, die zeigt: Spielerisches Training in der virtuellen Realität (VR) verbessert die Beweglichkeit nach schweren Handverletzungen deutlich und motiviert Patientinnen und Patienten zu mehr eigenständigem Training. Der Preis wurde am 22. Oktober 2026 auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin verliehen.
In ihrem Projekt "StableHandVR" untersucht Dr. Prahm mit 150 Patientinnen und Patienten mit Hand- und Fingerverletzungen, ob spielerisches Training in der VR die funktionelle Wiederherstellung verbessert.
Nach schweren Handverletzungen sind regelmäßige Bewegungsübungen entscheidend für die funktionelle Wiederherstellung. Doch Schmerzen, monotone Übungsabläufe und fehlende Motivation erschweren häufig die Rehabilitation.
Bei StableHandVR tauchen die Teilnehmenden in einen virtuellen Bauernhof ein und lösen spielerische Aufgaben durch gezielte Hand- und Fingerbewegungen. Die VR-Brille erfasst dabei die Bewegungen ohne zusätzliche Controller. Individuelles Echtzeit-Feedback unterstützt die korrekte Ausführung der Übungen.
Mehr Beweglichkeit und höhere Motivation
Für eine wissenschaftliche Überprüfung wurden zwei gleich große Gruppen per Zufall aufgeteilt: Während eine Gruppe mit StableHandVR trainierte, führte die Kontrollgruppe unspezifische Handübungen durch und betrachtete dabei ebenfalls VR-Inhalte. Die StableHandVR-Gruppe konnte ihr Handgelenk jedoch deutlich besser bewegen als die Vergleichsgruppe. Der Bewegungsumfang nahm um rund 28 Grad zu, in der Vergleichsgruppe um rund 17 Grad. Auch die Daumenbeweglichkeit entwickelte sich signifikant besser. Bemerkenswert ist zudem die Motivation der Teilnehmenden der StableHandVR-Gruppe, die freiwillig rund 63 Prozent mehr trainierten als vorgegeben.
Forschung kommt direkt bei Versorgung an
Die von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) geförderte Studie baut auf langjährigen Vorarbeiten der Berliner Arbeitsgruppe zu spielerischen und digitalen Methoden in der Rehabilitation auf. Veröffentlicht wurde die Studie in der renommierten Zeitschrift npj Digital Medicine aus dem prestigeträchtigen Nature Portfolio. Die Ergebnisse werden nun schrittweise den klinischen Fachgruppen der BG Kliniken vorgestellt und in den Versorgungsalltag überführt.
„Dass unsere Arbeit mit dem Herbert-Lauterbach-Preis gewürdigt wird, ist für uns eine große Ehre und ein Ansporn zugleich. Für unsere Patientinnen und Patienten zählt am Ende, dass sie ihre Hand schnell wieder einsetzen können. Wir möchten Handtherapie nicht einfach in die virtuelle Realität übertragen, sondern auch motivierende Übungen entwickeln, die beim Patienten ankommen“, freut sich Dr. Prahm.
Dr. med. scient. Cosima Prahm leitet am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin das Zentrum für klinische Forschung und das Zentrum für Bionik. Zuvor war sie Forschungsleiterin der Klinik für Hand-, Plastische, Rekonstruktive und Verbrennungschirurgie in der BG Klinik Tübingen. Ihre Spezialgebiete sind die bionische Extremitätenrekonstruktion, die VR-gestützte Rehabilitation (Extended Reality / XR) und innovative Prothesensteuerungen. Sie forscht zudem an der Klinik für Hand-, Replantations- und Mikrochirurgie der Charité Universitätsmedizin Berlin.
Der Herbert-Lauterbach-Preis wurde 1984 anlässlich des 100-jährigen Bestehens der gesetzlichen Unfallversicherung gestiftet. Die BG Kliniken vergeben ihn jährlich für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Unfallmedizin und bei Berufskrankheiten. Ein unabhängiges Gremium mit Vertreterinnen und Vertretern der gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), der BG Kliniken und der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) bewertet die Einreichungen anhand eines standardisierten Verfahrens. 2026 wurden 14 Arbeiten eingereicht.
Mehr Informationen: Herbert-Lauterbach-Preis der BG Kliniken
