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    Neue Studie belegt: Einfachere OP-Methode bei komplizierten Mittelhandfrakturen liefert gleichwertig gute Resultate

    Innere Schienung bei Bruch des 5. Mittelhandköpfchens auch mit einem statt mit zwei Kirschner-Drähten adäquat durchführbar

    13.10.2020

    A. Eisenschenk, R. Spitzmüller, C. Güthoff, A. Obladen et al.

     

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    Was bisher bekannt ist

    Eine, wenn auch nur temporär, nicht mehr oder nur eingeschränkt funktionierende Hand bedeutet immer einen Verlust an Lebens­qualität. Daher sind Frakturen der Hand für viele Patientinnen und Patienten eine besondere Stress­situation. 30% bis 40% aller Hand­frakturen betreffen einen der Mittel­hand­knochen. Von diesen Brüchen fallen wiederum ein Viertel auf das Köpfchen des fünften Mittel­hand­knochens – man spricht hier von einer Boxer­fraktur. Um Einschränkungen der Beweglichkeit zu verhindern, müssen diese Brüche operativ versorgt werden.

    Das Standard­verfahren für einen solchen Bruch ist die sogenannte Bouquet-Osteosynthese nach Foucher. Hierbei werden zwei parallele Kirschner-Drähte in den Knochen eingeführt, die sich unterhalb der Gelenk­fläche auf­spreizen. Dadurch wird der Bruch stabilisiert und kann verheilen. Das Einbringen der 0,8 bis 1,2 Millimeter dicken Drähte kann technisch anspruchs­voll sein. Die nachfolgend beschriebene Untersuchung ging daher der Frage nach, ob eine Schienung mit einem einzigen, mindestens 1,6 Millimeter dicken Kirscher-Draht eine Alternative für die Praxis darstellen kann. Dies wäre der Fall, wenn die Heilungs­ergebnisse mit einem oder mit zwei Drähten nach sechs Monaten auf dem DASH-Score (Disability of Arm, Shoulder and Hand) nicht mehr als 3 Punkte voneinander abwichen. Der DASH-Score hat insgesamt eine Skala von 100 Punkten, bei der 0 = keine Behinderung und 100 = maximale Beeinträchtigung bedeuten.

    Studien­design und Resultate

    Die Studie 1-2-KiWi (1-2 bedeutet ein oder zwei Kirschner-Drähte, KiWi steht für Kirschner-Wire) lief von Mai 2013 bis November 2016 an zwölf universitären und BG-Kliniken in Deutschland. Die potentiellen Patientinnen und Patienten mussten mindestens 18 Jahre alt sein, eine Fraktur des Köpfchens des 5. Mittel­hand­knochens aufweisen und sich innerhalb von zehn Tagen einer Operation zur Stabilisierung des Bruchs unterziehen. Die Auswahl, welches Verfahren angewendet wurde, traf der Computer nach dem Zufalls­prinzip. Alle weiteren Maßnahmen, etwa die postoperative Versorgung, wurden in der gesamten Gruppe identisch durchgeführt.

    Von 467 möglichen Patientinnen und Patienten wurden letztlich 288 für die Studie ausgewählt, von denen 151 nach sechs Monaten nachuntersucht werden konnten. Der Einfluss fehlender Daten wurde mit Hilfe des statistischen Verfahrens der multiplen Imputation korrigiert. In der Auswertung ließen sowohl die Rohdaten als auch die statistisch korrigierten Daten die gleichen Schlüsse zu.

    Ergebnis

    Eine Stabilisierung der Fraktur mit nur einem Kirschner-Draht ist dem bisherigen Standard­verfahren statistisch in keinem Fall unterlegen. Überraschender­weise war jedoch auch die Eingriffs­zeit nicht erheblich kürzer (23 Minuten bei einem, 25 Minuten bei zwei Drähten).

    Bedeutung für die klinische Versorgung und Forschung an den BG Kliniken

    Eine intramedulläre Schienung mit einem einzelnen, mindestens 1,6 mm dicken Kirschner-Draht für die Behandlung einer verschobenen Fraktur des Köpfchens des 5. Mittel­hand­knochens ist dem Standard­verfahren nicht unterlegen. Dement­sprechend kann diese technisch einfachere Schienung als alternativer Therapie­standard empfohlen werden. Weitere klinische Forschungs­vorhaben sind nicht notwendig, um diese Empfehlung zu unter­mauern.

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