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    Tag der Pflege: Interview mit Pflegedirektor Torsten Weiner

    Am 12. Mai ist der internationale Tag der Pflege. Torsten Weiner, Pflegedirektor am BG Klinikum Hamburg, spricht anlässlich des Aktionstages über die mediale Aufmerksamkeit, die die Pflege aktuell erhält, rekapituliert das Jahr 2020 und gibt einen Einblick in die Pflege in Boberg.

    Infos zur Pressemitteilung

    12.05.2021BG Klinikum Hamburg

    Pressekontakt

    Profilbild Christiane Keppeler

    Christiane Keppeler

    Leiterin Unternehmens­kommunikation und Marketing
    040 7306-1310040 7306-1706E-Mail

    Am 12. Mai ist der internationale Tag der Pflege – was verbinden Sie mit diesem Tag?

    Herr Weiner: Erst einmal den Jahrestag zur Geburt von Florence Nightingale, die Pionierin der professionellen Krankenpflege. Selbstverständlich hat sich seit Florence Nightingale viel geändert, aber ihre Motivation bleibt: Im Fokus stehen die Menschen. Der damalige Gedanke der Professionalisierung ist auch heute wichtiger denn je. Gerade in dieser Zeit, in der viele Augen auf unseren Berufsstand und unsere Profession gerichtet sind, müssen wir Pflegenden uns als gut ausgebildet und qualifiziert zeigen, um Menschen für diesen tollen Beruf zu begeistern.

    Was denken Sie über den medialen Zuspruch, den die Pflegenden in letzter Zeit erhalten haben?

    Herr Weiner: Zunächst einmal freue ich mich natürlich, dass Pflegende wahrgenommen und zunehmend wertgeschätzt werden, auch in der Gesellschaft. Ob gemeinsames Klatschen auf dem Balkon, Sendeminuten mit Danksagungen im Fernsehen oder die derzeit oft betonte Systemrelevanz der Pflegeberufe – nie wurden die täglichen Leistungen der Pflegenden mehr wertgeschätzt als in der aktuellen Situation. Endlich bekommen sie die Aufmerksamkeit und Anerkennung, die sie verdienen. Sicherlich muss nun aber auch darauf folgen, dass an den Arbeits- und Rahmenbedingungen gearbeitet wird.

    Haben Sie konkrete Beispiele für Rahmenbedingungen, die verbessert werden müssten?

    Wir haben bspw. im Bereich der Altenpflege immer noch keinen flächendeckenden Tarifvertrag. Ein weiteres Beispiel ist die Akquise internationaler Pflegefachkräfte. Um dies zu ermöglichen ist zwar die grundsätzliche Weichenstellung erfolgt, nur ist der Anerkennungsprozess von im Ausland erworbenen Qualifikationen hier in Hamburg mit den größten Hürden im Bundesvergleich verbunden. Dies macht es für alle Einrichtungen im Gesundheitswesen schwer, die entsprechenden Fachkräfte anzuwerben.

    Ganz grundlegend brauchen wir dringend eine gemeinsame Stimme. In einigen Bundesländern haben sich bereits Pflegekammern etabliert. Ich weiß, dass die Sinnhaftigkeit angezweifelt wird, aber die Ärzteschaft macht uns doch vor, dass es sehr gut funktionieren kann. Die pflegepolitische Zergliederung in Verbände, Kammern, Gewerkschaften und Einzelinteressen sorgt dafür, dass es keine geeinte Stimme gibt, die uns genau in dieser Zeit fehlt, um Interessen der beruflich Pflegenden auf politischer Bühne zu vertreten.

    Welche Themen beschäftigen Sie als Pflegedirektor aktuell im BG Klinikum Hamburg?

    Ein großes Thema ist natürlich die Bewältigung der Pandemie. Der klinische Alltag hat sich in den vergangenen 14 Monaten grundlegend verändert und die Patientenversorgung findet unter anderen Umständen statt. Für die Kolleginnen und Kollegen, die unmittelbar am Bett in der Patientenversorgung arbeiten, ist es schwieriger geworden, „mal eben so“ mit den Patienten in Interaktion zu treten. Allein durch die Maskenpflicht und die allgemein verschärften Hygienemaßnahmen geht uns Pflegenden oft die Leichtigkeit im Patientenkontakt verloren. Natürlich hat sich auch die Kommunikation zwischen den Berufsgruppen sowie den Angehörigen und Patienten verändert. Das ist auf Kontaktbeschränkungen und den Besucherstopp zurückzuführen. Maßnahmen, die nötig sind, aber den Alltag in der Klinik enorm beeinflussen. Trotz dieser erschwerten Bedingungen finde ich es sehr beachtlich, wie gut die Kolleginnen und Kollegen unsere Patienten versorgen.

    Für viele Menschen wiegt das fehlende tägliche Miteinander sicherlich am schwersten. Umso mehr freuen mich die Fortschritte, die wir derzeit mit den Impfungen machen und die uns hoffentlich bald einen Hauch Normalität zurückgeben.

    Der Pflegedienst blickt also auf ein schwieriges Jahr 2020 zurück?

    Das vergangene Jahr war sicherlich für jeden Menschen ein anstrengendes und herausforderndes – sowohl beruflich als auch privat. Könnte man die Pandemie jedoch ausblenden würde ich sagen, war 2020 für den Pflegedienst hier in Boberg ein wirklich gutes Jahr, in dem viele strukturelle Veränderungen angestoßen und erfolgreich umgesetzt werden konnten. Eine zentrale Veränderung war die Umstrukturierung innerhalb des Pflegedienstes. Wir haben mittlerweile drei statt der zuvor zwei Pflegedienstleitungen. Auf diese Weise können die entsprechenden Kolleginnen viel näher an den Prozessen und Schnittstellenthemen teilhaben und es ergibt sich eine größere Nähe zu den Mitarbeitern.

    Wie sieht es in puncto Fachkräftemangel zurzeit am BGKH aus?

    Erfreulicherweise konnten wir 2020 ca. 90 Vollzeitkräfte, in Summe 130 neue Kolleginnen und Kollegen, für unser Klinikum gewinnen. Das ist auch der tollen Arbeit der Pflegenden zu verdanken, da die Entscheidung für oder gegen die Arbeit in einem Haus und in einem Team meistens nicht im Vorstellungstermin, sondern in der Hospitation auf den Stationen geschieht. Außerdem haben wir es 2020 geschafft, im Bereich der Führungskräfte auf den Stationen eine höhere Leitungsdichte zu erzielen, was bei den Mitarbeitern positiv aufgenommen wurde. Das zeigt sich bspw. an der Fluktuation im Haus, die 2020 die niedrigste der vergangenen fünf Jahre war. Sicherlich sind nach wie vor Planstellen zu besetzen und wir müssen weiterhin mit Hochdruck daran arbeiten. Nichtsdestotrotz können wir auf diese Leistung stolz sein.

    Der Zuwachs an neuen Kolleginnen und Kollegen führt dazu, dass wir die Arbeitsbedingungen deutlich verbessern konnten. Als Beispiele sind die Einführung der zweiten Pflegekraft im Nachtdienst auf den Akutstationen und die Kompensation vieler kurz- und langfristiger Ausfälle durch das Team des Flexpools zu nennen. Im Gegenzug konnten wir die Zeitarbeit reduzieren.

    Durch den Eintritt von Frau Marion Meyer als Pflegekoordinatorin haben wir auch den wissenschaftlichen Part wieder stärker in den Fokus genommen, was für ein Haus unserer Größenordnung sehr wichtig ist.

    In puncto Professionalisierung liegt uns außerdem weiterhin die fachliche Weiterentwicklung unserer Pflegenden sehr am Herzen. Durch die Inhouse-Weiterbildungen zum Wundexperten und Praxisanleiter sowie einem sehr hohen Fortbildungsbudget, können wir diese Möglichkeit vielen Kollegen in diesem Jahr bieten.

    Was wünschen Sie den Pflegenden in unserem Haus?

    Zu allererst möchte ich ein großes Dankeschön aussprechen für die gute und sehr professionelle Arbeit am Patienten in diesen bewegten Zeiten. Und natürlich wünsche ich den Pflegenden, dass wir die Pandemie und die damit verbundenen zusätzlichen Aufgaben und heftigen Auswirkungen bald hinter uns lassen können. Der „normale“ Arbeitsalltag ist oft schon „Wahnsinn“ genug und wurde durch die zusätzlichen Belastungen der Corona-Maßnahmen verschärft. So wünsche ich uns allen, dass wir entspannteren Zeiten entgegenblicken können. Wie zuvor bereits erwähnt haben wir in diesem Jahr schon viele neue Kolleginnen und Kollegen gewinnen können und ich hoffe, dass dieser Trend anhält und wir möglichst viele offene Stellen noch besetzen werden.

    Und natürlich wünsche ich allen Kolleginnen und Kollegen weiterhin viel Kraft, Geduld und allem voran beste Gesundheit!