Mit der Zwei-Finger-Regel kann man sich die richtige Menge Sonnencreme leicht merken.

Sonnencreme: Darauf kommt es bei der Wahl an

UV-A, UV-B, LSF, ohne Octocrylen – auf Sonnencremes findet man eine Vielzahl an Informationen und die Produktauswahl im Regal ist riesig. Worauf bei der Wahl des richtigen Sonnenschutzes zu achten ist, erklärt Dr. Marc Rocholl, Gesundheitspädagoge am Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) am BG Klinikum Hamburg und der Universität Osnabrück.

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19.06.2026

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Sonnencreme schützt die Haut, indem sie UV-Strahlung absorbiert, reflektiert oder streut. Dazu werden entweder sogenannte lösliche UV-Filter (oft auch als chemische Filter bezeichnet), die Strahlung absorbieren, oder nicht-lösliche UV-Filter (oft auch als partikuläre bzw. mineralische Filter bezeichnet), die Strahlung sowohl absorbieren als auch reflektieren und streuen, genutzt. „Die meisten Sonnenschutzpräparate enthalten mehrere UV-Filter mit unterschiedlichen Absorptionsspitzen, sodass der Schutz über das gesamte relevante Spektrum, also UV-A- und UV-B-Strahlung gewährleistet wird“, führt Dr. Rocholl aus. Der Schutz vor beiden Arten der UV-Strahlung ist wichtig, weil sie die DNA beschädigen und damit zu Zellmutationen und im schlimmsten Fall zu Hautkrebs führen können. „Grundsätzlich schützen alle Sonnencremes vor UV-B-Strahlung. Dass zusätzlich auch der Schutz vor UV-A-Strahlung gegeben ist, erkennen Verbraucherinnen und Verbraucher am UV-A-Logo, einem kleinen Kreis mit den Buchstaben UVA“, ergänzt der Experte. 

Ein weiteres wichtiges Kriterium: der Lichtschutzfaktor, kurz LSF. Dieser gibt an, um welchen Faktor die Eigenschutzzeit der Haut gegenüber UV-B-Strahlung im Vergleich zu ungeschützter Haut verlängert wird. Der Eigenschutzfaktor der Haut hängt dabei vom Hauttyp ab: Hellere Hauttypen haben eine kürzere Eigenschutzzeit als dunklere. „Der Lichtschutzfaktor einer Sonnencreme wird im Labor unter standardisierten Bedingungen berechnet. Das heißt, im Test werden die empfohlenen zwei Milligramm Creme pro Quadratzentimeter Haut verwendet“, erklärt Dr. Rocholl. Studien zeigen jedoch, dass die meisten Menschen in der Praxis oft deutlich weniger Sonnencreme auftragen. „Der tatsächliche LSF im Alltag ist also häufig niedriger als auf der Sonnencreme ausgewiesen. Deswegen sollten Sonnenschutzmittel mit hohem (≥ LSF 30) oder besser sehr hohem (≥ LSF 50+) Lichtschutzfaktor verwendet werden. Außerdem sollte man nie die maximale Aufenthaltsdauer ausreizen“, erklärt der Experte.

Bei offener Sonnencreme aus dem letzten Jahr auf die Haltbarkeit achten

Damit die Sonnencreme zuverlässigen Schutz bietet, ist zudem auf die Verwendbarkeit nach Anbruch zu achten. „Bereits länger geöffnete oder abgelaufene Sonnenschutzprodukte bieten keinen zuverlässigen Schutz vor UV-Strahlung mehr und sollten daher nicht mehr verwendet werden“, so Dr. Rocholl. Wie lange ein Produkt nach dem Öffnen verwendet werden kann, geht aus dem sogenannten „Period after Opening“-Symbol hervor, einem geöffneten Cremetiegel mit einem Buchstaben und einer Zahl. Steht in diesem Cremetiegel „12M“ kann das Produkt zwölf Monate nach dem Anbruch verwendet werden. Dazu gibt der Gesundheitspädagoge folgenden Tipp: „Um sich daran zu erinnern, ob die Sonnencreme aus dem letzten Jahr noch verwendet werden kann, hilft es, mit einem wasserfesten Stift auf der Tube zu notieren, wann das Produkt geöffnet wurde.“ Unabhängig davon können Verbraucherinnen und Verbraucher darauf achten, ob sich die Creme verfärbt hat, in ihrer Konsistenz verändert ist – beispielsweise klumpig geworden ist oder sich ölige und wässrige Phase getrennt haben – oder ob das Produkt alt beziehungsweise ungewöhnlich riecht. 

Neben dem UV-A-Logo, dem LSF und der Haltbarkeit finden sich auf vielen Verpackungen noch zusätzliche Informationen wie „ohne Octocrylen“. Octocrylen kann bei längerer Lagerung zu Benzophenon abgebaut werden. Der Stoff wird wegen möglicher hormonähnlicher Wirkung diskutiert. „Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass in fast allen auf dem deutschen Markt erhältlichen Produkten Benzophenon nur in sehr geringen Mengen oder gar nicht vorkommt. Nach aktuellem Kenntnisstand besteht keine gesundheitliche Gefährdung für Verbraucherinnen und Verbraucher“, fasst Dr. Rocholl zusammen. 

Großzügig und regelmäßig anwenden: So schützt Sonnencreme am besten

Die Wahl der passenden Sonnencreme ist jedoch nur die halbe Miete. Wichtig ist auch die richtige Verwendung, damit sie ihren Schutz voll entfaltet. Die goldene Regel dabei: großzügig auftragen und regelmäßig nachcremen. „Die richtige Menge kann man sich dabei ganz einfach mit der Zwei-Finger-Regel merken. Diese besagt: Zwei fingerlange Streifen der Creme auf die Innenseite des Zeige- und Mittelfingers auftragen und jeweils pro Arm, pro Ober- und Unterschenkel, auf das Gesicht und den Hals, die Brust, den Bauch sowie den oberen und unteren Rücken verteilen“, erklärt Dr. Rocholl. Das erste Eincremen sollte 20 bis 30 Minuten vor dem Aufenthalt in der Sonne erfolgen. Dabei ist auch an oft vergessene Stellen wie den Nacken, die Ohren, Hände und Füße zu denken. Etwa alle zwei Stunden sollte nachgecremt werden, um den bestehenden Schutz aufrecht zu erhalten. Beim Baden, nach dem Abtrocknen und bei starkem Schwitzen muss früher nachgecremt werden – selbst bei einer wasserfesten Sonnencreme. 

„Wichtig ist im Kopf zu behalten: Sonnencremes schützen die Haut nur eine begrenzte Zeit. Der beste Schutz vor Sonnenbrand und Hautkrebs ist, hautbedeckende Kleidung zu tragen und die intensive UV-Strahlung zwischen 11 und 15 Uhr zu vermeiden“, so Dr. Rocholl. Zudem sollten auch die Augen mit einer Sonnenbrille und der Kopf mit einer Kopfbedeckung vor der Sonne geschützt werden. „Die Kopfbedeckung sollte eine Mütze mit Schirm, besser noch ein breitkrempiger Sonnenhut sein, um auch Gesicht, Ohren und Nacken zusätzlich zu schützen“, empfiehlt der Experte. Um einen guten Schutz für die Augen sicherzustellen, sollte beim Kauf von Sonnenbrillen auf das CE Symbol sowie die UV 400+ Zertifizierung geachtet werden.