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    Querschnittlähmung als Risikofaktor für Blasenkrebs

    Eine Studie des BG Klinikums Hamburg zeigt, dass Querschnittverletzte ein deutlich erhöhtes Risiko aufweisen, frühzeitig an aggressiven Blasentumoren zu erkranken. Die Betroffenen sind zum Zeitpunkt der Diagnose durchschnittlich jünger als Erkrankte ohne eine Querschnittlähmung. Die Art der Blasenlähmung oder Blasenentleerung spielen jedoch keine primäre Rolle.

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    16.07.2021BG Klinikum Hamburg

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    Christiane Keppeler

    Leiterin Unternehmens­kommunikation und Marketing
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    Jährlich erkranken in Deutschland etwa 30.000 Menschen an Harnblasentumoren. Bei Querschnittverletzten steigt das Risiko an Blasenkrebs zu erkranken, im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung, ab dem zehnten Jahr nach Eintritt der Lähmung. In einer Studie des BG Klinikums Hamburg (BGKH) wertete ein Forschungsteam nun die Daten von 7004 Patient:innen aus, die zwischen dem 01.01.1998 und dem 31.12.2018 im Querschnittgelähmten-Zentrum des Klinikums behandelt wurden.

    Studienergebnisse

    Bei 37 der 7004 untersuchten Patient:innen (0,5 Prozent) wurde ein Harnblasenkarzinom diagnostiziert. Mit 54 Jahren (mittleres Alter der Personen) erkrankten die Studienteilnehmer:innen deutlich früher im Vergleich zur Referenzgruppe, deren mittleres Alter bei der Diagnose etwa 75 Jahre betrug. Die Vergleichskohorte stammt aus einer Erhebung des RKI (Robert-Koch-Institut) zur deutschen Gesamtbevölkerung. Damit sind Querschnittverletzte durchschnittlich etwa 20 Jahre jünger, wenn sie an Blasenkrebs erkranken im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Darüber hinaus sind die Tumore zumeist fortgeschritten und die Prognose entsprechend schlecht.

    Dr. Ralf Böthig ist ltd. Arzt der Neuro-Urologie am BGKH und Autor des im Juli erschienenen Fachartikels: „Wir sehen immer wieder, dass Querschnittverletzte, die gegenüber der Allgemeinbevölkerung viel engmaschiger (neuro-)urologisch überwacht werden, trotzdem in viel jüngerem Alter an einem Harnblasenkarzinom erkranken, der Tumor zumeist sehr aggressiv ist und die Betroffenen dann oft nach relativ kurzer Zeit an ihrer Erkrankung versterben.“ Die durchgeführte Studie liefert nun neue Erkenntnisse: „Wir konnten bestätigen, dass die Lähmungsdauer offenbar einen Einfluss auf das Tumorrisiko ausübt und erstmals herausarbeiten, dass das Risiko auch bei querschnittgelähmten Patientinnen und Patienten ohne Dauerkatheter-Versorgung nach vielen Lähmungsjahren erhöht ist. Die Art der Blasenlähmung oder die Art der Blasenentleerung spielen offenbar keine primäre Rolle.“

    Ausblick für die weitere Forschung

    „Die Ergebnisse zeigen, dass wir unsere Bemühungen um eine Früherkennung des Harnblasenkarzinoms leider nicht auf einzelne Gruppen unter den Querschnittgelähmten fokussieren können“, erklärt Dr. Böthig. „Stattdessen müssen wir mit zunehmender Lähmungsdauer bei allen Patientinnen und Patienten sehr wachsam sein. Hier ist noch viel Forschungsarbeit nötig, um z. B. den richtigen Zeitpunkt für den Beginn eines Screenings in Abhängigkeit verschiedener Variablen zu definieren.“

    Dr. med. Ralf Böthig ist bereits seit 2004 am BG Klinikum Hamburg tätig und in seiner Funktion als ltd. Arzt der Neuro-Urologie deutschlandweit einer der renommiertesten Spezialisten in der Diagnostik und Behandlung von neurogenen Blasenfunktionsstörungen bei querschnittgelähmten Patient:innen.

    Link zum Fachartikel